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Ausgabe 1/2014

Angepasstes Wirtschaften

Ergebnisse des Projektes INKA BB

Geringe Niederschläge, Vorsommertrockenheit, Dürreperioden und milde Winter stellen Brandenburgs Öko-Landwirte schon heute vor große Aufgaben. Und nach aktuellen Klimaszenarien werden diese Ereignisse in Brandenburg zukünftig eher zu- als abnehmen. Einher geht damit, dass sich die Stickstoffversorgung auf den meist sandigen Standorten weiter verschlechtern wird. Geringere Erträge oder Futterknappheit sind dann zu erwarten. Zunehmende Trockenheit während des Frühjahrs und Sommers wird zudem die Etablierung und den Aufwuchs von Leguminosen erschweren, Starkniederschläge hingegen die Befahrbarkeit der Ackerflächen.

Brandenburger Öko-Landwirte und die Verbände haben sich daher mit Wissenschaftlern vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) und der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNE) in einem Teilprojekt des „Innovationsnetzwerkes Klimaanpassung Brandenburg Berlin“ (INKA BB) zusammengeschlossen. Im Mittelpunkt des Projektes stehen mehrjährige Anbausystemversuche zur Optimierung der Wasser- und Stickstoffversorgung, wodurch die klimatische Widerstandsfähigkeit der Betriebe verbessert werden soll (siehe auch nm 4/2009). Im Folgenden werden zwei Ergebnisse der Praxisversuche vorgestellt.

Wassereffiziente Etablierung von Zwischenfrüchten

Als Reaktion auf die sich während des Sommers häufenden Trockenphasen und Starkregenereignisse sollten Zeiträume mit offenem Ackerboden aus Erosionsschutzgründen auf leichten Standorten vermieden werden. Vielmehr gilt es, Restfeuchte und Niederschläge produktiv zur Erzeugung von „Regenwurmfutter“ mit Hilfe schnellwachsender Zwischenfrüchte zu nutzen, um die Infiltrationsleistung durch Regenwurmkanäle zu erhöhen. Der Anbau von Zwischenfrüchten dient aber auch der Produktion von Humus, wodurch die Wasserspeicherkapazität der Böden erhöht wird. Im Ökodorf Brodowin wurde daher eine neue Methode zur effektiven Etablierung von Zwischenfrüchten erprobt. Es wurde untersucht, wie sich während der Ernte durch eine unverzügliche und möglichst flache Stoppelbearbeitung Wasserverluste durch die Unterbrechung des kapillaren Aufstiegs minimieren lassen und wie gleichzeitig die Restfeuchte zur Etablierung von Stoppelsaaten genutzt werden kann. Zum Vergleich wurde das Zwischenfruchtgemenge auf einer benachbarten Fläche erst drei Tage später nach der betriebsüblichen Stoppelbearbeitung ausgebracht. Im Vergleich ergab die „Direktsaatvariante“ eine schnellere und flächendeckende Zwischenfruchtetablierung mit 50 Prozent mehr Biomasseaufwuchs zu Vegetationsende. Durch den Versuch wird die Bedeutung der alten Regel für einen erfolgreichen Zwischenfruchtanbau – "Ein Tag im Juli ist so viel wert wie eine Woche im August und wie der ganze September“ – eindrucksvoll unterstrichen. Demnach sollte für eine erfolgreiche Etablierung von Zwischenfrüchten kein Tag nach der Ernte ungenutzt bleiben. Eine gutes Management und eine hohe Schlagkraft ermöglichen zu diesem Zeitpunkt eine effektive Ausnutzung der Rest-Vegetationszeit und somit auch eine bessere Anpassung an die Auswirkungen des Klimawandels.

Diversifizierung von Anbauverfahren beim Silomais

Auf dem Landgut Pretschen wird Silomais im Zweikultursystem im Fruchtfolgeglied Grünroggen-Silomais- Winterroggen angebaut. Nach der Anfang Mai erfolgenden Grünroggenernte, einer Stallmistgabe und einer Pflugbodenbearbeitung erfolgt die Silomaisaussaat dort in der Regel erst Mitte Mai. Zu diesem Zeitpunkt ist die Bodentemperatur für die Maisaussaat meist optimal, jedoch kann es bei leichten Böden und Vorsommertrockenheit dann schon zu Wasser- und somit auch zu Stickstoffmangel kommen.
Um zu erproben, wie sich dieses Risiko mindern ließe, wurden in einem mehrjährigen Streifenversuch dem betriebsüblichen Anbauverfahren drei klimaangepasste Varianten mit pflugloser Bodenbearbeitung und veränderten Aussaatterminen gegenübergestellt. Bei zwei Streifen erfolgte die Bodenbearbeitung mit dem HEKO-Ringschneider. Grünroggen wurde als Winterzwischenfrucht umgebrochen und Ende April eine Frühsaat mit Erstmais durchgeführt.
Im Ergebnis waren in den Versuchsjahren 2010 und 2011 die Mitte bis Ende Mai ausgesäten Varianten durch einen besseren Feldaufgang und eine geringere Verunkrautung gekennzeichnet. Von der für Brandenburg typischen Frühjahrstrockenheit und dem Spätfrost (2011) beziehungsweise einem feuchten und kühlen Mai (2010) waren sie nicht beeinträchtigt. Ferner konnten bei diesen Spätsaatvarianten keine signifikanten Ertragsunterschiede zwischen Pflug- und Ringschneider ermittelt werden.

Anhand der Praxisversuche konnten erste Handlungsoptionen zur Diversifizierung von Anbauverfahren aufgezeigt werden. Diese müssen jedoch langfristig sowie standort- und anbausystemspezifisch weiterentwickelt werden, damit auch in Brandenburg zukünftig stabile Erträge möglich sind.

Ralf Bloch
Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde
Johann Bachinger
Leibnitz-Zentrum für Agrarlandsforschung (ZALF) e.V.

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