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GOLDENER TRITT UND EISERNER ZAHN

BEWEIDUNG MIT SCHAFEN SORGT FÜR FESTE DEICHE UND ARTENREICHE LEBENSRÄUME

Mit den Hunden, die „ihre“ Schafe auf dem Deich der Schwarzen Elster bewachen, ist nicht gut Kirschen essen. Wer sich dem Elektrozaun auf wenige Meter nähert, erkennt schnell, wer hier den Ton angibt. Seit 2006 setzen Viola und René Jeronimus auf Pyrenäenberghunde zum Schutz ihrer Herden. Mit etwa 900 Schafen und 100 Ziegen beweidet das Schäferehepaar etwa 220 Hektar Heide- und Naturschutzflächen sowie Deiche und deren Vorland an der Schwarzen Elster.

Etwa ein Drittel der Deichflächen an märkischen Flüssen werden gegenwärtig auf diese ökologischste und wirtschaftlichste Art mit Schafen und Ziegen gepflegt. Der Tritt der Tiere verfestigt den Boden, beseitigt Unebenheiten, verschließt Löcher und Gänge von Maulwürfen und Mäusen und vertreibt die kleinen Erdbewohner. Der Klauendruck der Wiederkäuer entspricht in etwa dem Bodendruck einer Walze, die mit drei Tonnen pro Quadratmeter auf den Boden einwirkt. Das Ergebnis dieses „goldenen Trittes“ ist eine geschlossene, feste Vegetationsfläche. Der „eiserne Zahn“ der Tiere sorgt zudem für ein selektives Fressen bis zum Pflanzengrund und für eine Reduzierung nicht gewollter Pflanzenarten.

Trotz finanzieller Unterstützung ist die wirtschaftliche Lage der Schäfereien im Land prekär. Mitte September machte der Schafzuchtverband Berlin-Brandenburg in einer spektakulären Aktion einmal mehr darauf aufmerksam. Mit etwa 200 Schafen zog Schäfermeister Knut Kucznik durch die Berliner City, über die Wiesen im Tiergarten, vorbei am Sitz des Bundespräsidenten zur Kundgebung auf dem Hansaplatz. Die Schäfer fordern nicht viel. Lediglich die Wertschätzung ihrer Leistungen für die Gesellschaft, die sich auch in klingender Münze ausdrücken sollte, zum Beispiel in Form einer Weidetierprämie. Abgesehen vom höheren Arbeitsaufwand sind es die Kosten für den Herdenschutz, die ihnen zu schaffen machen. Deutschlandweit herrscht in Sachen Förderung von Präventionsmaßnahmen vor Wolfsübergriffen ein föderaler Flickenteppich. Ein Bündnis aus Verbänden aus Naturschutz und Tierhaltung hat deswegen im Juni diesen Jahres Empfehlungen verfasst, die unter anderem eine 100prozentige Finanzierung des wolfsbedingten Mehraufwandes aus Sach- und Personalkosten für die empfohlenen Herdenschutzmaßnahmen über staatliche Beihilfen vorschlagen.
Schäfer sind heutzutage hauptsächlich in der Landschaftspflege tätig und tragen mit ihren Tieren dazu bei, artenreiche Landschaften offen zu halten. Ob an den Oderhängen bei Mallnow oder Lebus mit ihren berühmten Adonisröschen, in der Reicherskreuzer Heide oder den Wiesen bei Altlandsberg mit einem der größten Vorkommen des seltenen Wiesenknopfes in Brandenburg, ohne naturschutzgerechte Beweidung wären diese und viele andere Biotope samt ihrer wertvollen Arteninventare verloren. Darüber hinaus sorgen Schafe durch das Mitschleppen von Samen im Wollkleid für die Verbreitung von Pflanzen sowie von Insekten und anderen kleinen Lebewesen.

Wolfgang Ewert

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