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WAS TUN, WENN DER WOLF KOMMT

ERSTE-HILFE-MASSNAHMEN FÜR DEN HERDENSCHUTZ

In Brandenburg wurden im Monitoringjahr 2017/2018 insgesamt 38 Wolfsterritorien nachgewiesen. Für viele Weidetierhalter stellt trotz Unterstützung durch das Land der Schutz ihrer Tiere vor Wolfsübergriffen eine große Herausforderung dar.

Zaunbau mit WikiWolves in Brandenburg
Seit 2015 helfen Freiwillige der Initiative „WikiWolves“ Weidetierhaltern beim Bau von Herdenschutzzäunen – zeitgleich gewinnen sie einen realistischen Einblick in deren Alltag. Im Vordergrund steht dabei der Austausch über die unterschiedlichen Erfahrungen, die beide Seiten mitbringen. Dabei will „WikiWolves“ Weidetierhalter in ihrer Haltung zum Wolf nicht umstimmen, sondern dabei helfen, langfristig die notwendigen Rahmenbedingungen für ein konfliktarmes Nebeneinander von Weidetierhaltung und Beutegreifern zu schaffen.
Die Helfer bei „WikiWolves“ haben unterschiedlichste berufliche Hintergründe. Jung und Alt engagieren sich, weil sie Schafe mögen, weil sie die Unterstützung der Weidetierhalter für eine faire Sache halten oder weil es einfach Spaß macht. Ob es sich dabei um Berufsschäfer, Landwirte oder Hobbyhalter handelt, spielt keine Rolle.
Die Freiwilligen helfen bei Tätigkeiten, die im Zusammenhang mit Herdenschutz stehen. Das „Hauptgeschäft“ sind ein- bis zweitägige Wochenendeinsätze in Gruppen zum Bau von Festzäunen. Das Angebot ist für die Tierhalter kostenfrei, nur Verpflegung und bei Bedarf Übernachtungsmöglichkeiten werden durch sie gestellt. Wichtig ist, dass der Tierhalter bei dem Arbeitseinsatz anwesend ist, um die Helfer anzuleiten. Ein „WikiWolves-Einsatzbetreuer“ koordiniert die Gruppe.
Auch in Brandenburg packen die WikiWölfe bereits tatkräftig an. Die bisherigen Einsätze fanden bei Schaf- und Rinderhaltern und in einem Tierpark statt. Zum Teil war es vorher in der Nähe zu Wolfssichtungen oder sogar zu Übergriffen gekommen. Für die Tierhalter ist die Errichtung eines wolfssicheren Zauns alleine oft nicht zu bewerkstelligen, weshalb die Freude und die Dankbarkeit nach einem gelungenen Einsatz groß sind.

Constanze Kirchgässner und Nathalie Soethe


Erste-Hilfe-Zaun im Naturpark Nuthe-Nieplitz
Die Ranger in Brandenburg sind aufgrund ihrer jahrelangen Erfahrung im Umgang mit den Wölfen gefragt. Sie helfen auch beim Aufbau des „Erste-Hilfe-Zauns“, der im Naturpark Nuthe-Nieplitz zur Verfügung steht. Dieses Projekt hat der Naturpark Nuthe-Nieplitz (LfU) veranlasst, als bei seinen Muttertierhaltern Wölfe mehrfach an Rissen von Kälbern nachgewiesen wurden. Das Rappa-Zaunsystem, Anhänger und 600 Meter Zaunmaterial wurden vom Landesamt für Umwelt beschafft. Das mobile, herdenschutzbewährte System ist schnell und personalarm nutzbar und daher bestens geeignet für „Landwirte, die ein akutes Sicherungsproblem nach Wolfsübergriffen haben und die Zeit überbrücken, bis sie selbst geeignetes Material/Zäunung haben“, so Kordula Isermann, Leiterin der Naturparkverwaltung. „Der Zaun mit dem besonderen Anhänger zum Auf- und Abbau ist kostenfrei ausleihbar. Die Vermittlung erfolgt über die Kollegen der Prävention, den Rissgutachter oder direkt beim Naturpark.“
Für den Aufbau sind die Tierhalter selbst zuständig, die Handhabung der Systems müssen sie vorher verstanden haben, dabei werden sie von Partnern des Naturparks unterstützt. Noch sei die Nachfrage gering, sagt Kordula Isermann: „Bisher nutzen nur ein Mutterkuhhalter im Raum Beelitz und eine Schäferei in der Ziltendorfer Niederung das Angebot.“

                                                                                                                                 

INFOS
Inspiriert durch das Netzwerk WikiWoods (www.wikiwoods.org) wurde WikiWolves ursprünglich in Mecklenburg-Vorpommern gegründet, inzwischen ist die Initiative in zehn Bundesländern aktiv. Über 50 Tierhalter, meist von Schafen oder Rindern, wurden in mehr als 100 Einsätzen bereits unterstützt. Weitere Infos, sowohl für interessierte Weidetierhalter als auch potenzielle „Zäunebauer“ in Brandenburg gibt Constanze Kirchgässner (bb@wikiwolves. org) oder unter www.wikiwolves.org.

Ansprechpartnerin für den Nuthe-Nieplitz-Park ist
Kordula Isermann
Naturparkverwaltung
Kordula.isermann@lfu.brandenburg.de

Hilfe vom Land Brandenburg gibt es hier: https://lfu.brandenburg.de/info/wolf

Verbände einigen sich auf Standards für den Herdenschutz
Elf Organisationen aus der Landwirtschaft und Nutztierhaltung, des Natur- und Tierschutzes sowie der Jagd haben schon im Juni 2019 eine Empfehlung für einen bundeseinheitlichen Herdenschutz sowie Kriterien zur Tötung von Wölfen, die wiederholt Nutztiere gerissen haben, vorgelegt. In den Augen der Fachleute gewährleisten diese Maßnahmen nach derzeitigem Kenntnisstand einen ausreichenden Schutz der Herden vor Wolfsübergriffen. Im Anhang werden Schutzempfehlungen ausgesprochen, in denen es vor allem um die passenden Zäune abhängig von den Tierarten: Wie müssen sie beschaffen sein? Wie hoch müssen sie sein? Wie viele stromführende Litzen sind für den Schutz notwendig? https://www.nabu.de/imperia/md/content/nabude/wolf/190612_verbaendepapierherdenschutz_papier_fin_rev02.pdf

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