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WIR SIND HIER! WIR SIND LAUT!

WEIL IHR UNS DIE ZUKUNFT KLAUT!

Die Klimastreiks sind zu weit mehr geworden als einem Mittel, um auf Klimaziele aufmerksam zu machen. Sie sind der Kampf der Kinder und Jugendlichen, die zunehmend mit Wetterextremen, Klimaflüchtlingen und Wasserknappheit konfrontiert sind, gegen ein Politik- und Wirtschaftssystem, welches Profit immer noch über Gemeinwohl stellt. Die Waldbrände im Amazonas ebenso wie in Brandenburg mit all ihren Ursachen und Folgen für uns zeigen: Wer den menschengemachten Klimawandel immer noch leugnet, hat entweder dringenden Nachholbedarf zum grundlegenden Verständnis der Funktionsweise unseres Klima-und Ökosystems oder verschließt schlichtweg die Augen vor der größten Katastrophe unserer Zeit – und der eigenen Verantwortung dafür!

Für Lea (15), Aktivistin in der Potsdamer Ortsgruppe von FridaysForFuture (FFF), ist dieses Wissen ganz klar der Antrieb, aktiv zu werden: „Ich streike, weil ich eine Zukunft haben will, in der es sich lohnt, zu leben. Es ist einfach nur grauenhaft, wenn man weiß, wie unglaublich viele Waldbrände wir die letzten Jahre gehabt haben. Man merkt wirklich, dass sich alles erhitzt. Ich glaube, es wird in Zukunft alles nur noch schlimmer werden. Dagegen muss man was tun!“

Die Forderungen zum Schutz des Klimas gehen daher weit über die Maßnahmen zur Reduktion von CO2 hinaus. FFF fordert unter anderem: den sofortigen Kohleausstieg, keine Subventionen für fossile Energieträger und ein Klimaschutzgesetz, das die globale Klimagerechtigkeit berücksichtigt. Das heißt für die Emissionen, die durch unseren Lebensstil verursacht werden, auch die Kosten zu tragen. Der Tatenlosigkeit der Politik setzen die Schüler*innen Lösungsansätze, gestützt durch das Bündnis Scientists for Future, gegenüber. Diese richten sich nicht nur an die Politik, sondern an jeden einzelnen von uns, eigene Lebensgewohnheiten in Bezug auf den Klimaschutz zu hinterfragen.

Dafür gehen die Schüler*innen nicht nur demonstrieren, sondern organisieren Info-Veranstaltungen und Aktionen im öffentlichen Raum wie das Klima-Camp im Herzen Potsdams Ende August. „Wir hatten mit Blick auf die Landtagswahlen viele Ideen gesammelt, um bewusster zu machen, dass wir in einer Klimakrise stecken“, erzählt Anna (16). Der Blick über das Klima-Camp direkt vor dem Brandenburger Landtag zeugt von großem Umweltbewusstsein und der Unterstützung lokaler Partner: Kompost-Toiletten, Schnippel-Küche, Tipis und Zelte, Hochbeete mit Infotafeln zu Humusaufbau und Lebensmittelkisten von Bio-Märkten. „Wir wollten das Camp so ökologisch wie möglich aufbauen“, hebt Anna hervor. Zwischen den Bäumen hängen Anregungen von den Schüler*innen zum Klimaschutz: Bio und regional essen, Foodsharing nutzen, weniger Fleisch, mehr ÖPNV, Radfahren, weniger Plastik, Second Hand, wiederverwendbare Produkte, wählen ab 16, Eltern Alternativen zeigen, u.v.m.

„Wir wollten einen Platz zum Erfahrungsaustausch schaffen, neue Kontakte knüpfen und als Gemeinschaft zusammenwachsen“, blickt Anna zurück, „und wir wollten den Politikern und ganz Brandenburg zeigen, jetzt wählen gehen und sich Gedanken über Klimaschutz machen.“ „Ja, ich denke, unser Camp wurde gut genutzt“, stellt Lea fest. „Es gab viele Interessenten, die sich über uns informiert haben. Wir haben Präsenz gezeigt direkt vor dem Landtag und durch viele Aktionen in der Innenstadt. Es gab auch Anfragen von Politikerinnen und Politikern für Gespräche, die wir dankend angenommen haben.“
Viele der jungen Schüler*innen waren durch Fridays-ForFuture zum ersten Mal auf einer Demo. Sie wurden durch das Vorbild der inzwischen 16-jährigen Greta Thunberg oder eigene Freunde motiviert. Die Bewegung ist überwiegend weiblich und sehr jung (rund 50 Prozent sind 14–19 Jahre), dabei bisher weder politisch noch in einem Verein aktiv. Doch das Wichtigste ist: Der Großteil der Aktivist*innen ist optimistisch. Der Aussage: „Auch wenn die Dinge düster aussehen, verliere ich nicht die Hoffnung, dass wir den Klimawandel eindämmen können“, stimmen laut einer aktuellen Studie zu FFF rund 60 Prozent „überwiegend“ oder „voll und ganz“ zu. Viele sind von der positiven Stimmung der Bewegung mitgerissen. Sie fühlen sich nicht mehr hilflos angesichts des Klimawandels. Die Jugendlichen sind begeistert, selbst tätig und wirksam werden zu können im Kampf um ihre Zukunft.

Auf die Frage, was die nächsten Schritte für die Schüler* innensind, sagen Lea und Anna ganz klar: „Weiter streiken bis sich etwas tut." Und: "Mit Politikern in Kontakt kommen, um unsere Forderungen auf Landesebene für Kommunen konkreter werden zu lassen.“ Anna und Lea werden, so wie tausende von Schüler*innen auf der ganzen Welt, den Druck auf die Politik weiter erhöhen. Wie lange die Jugendlichen noch demonstrieren, hängt nicht zuletzt von jedem Einzelnen ab: im Alltag und unmittelbarem Umfeld selbst aktiv zu werden und die Forderungen von FFF zu unterstützen, z. B. bei ParentsForFuture. Entscheidend ist, jetzt zu handeln!

Anne Kienappel
Jugendbildungsreferentin der Naturschutzjugend
Brandenburg

                                                                                                                                                          

INFO

Am 20. September gingen laut FridaysForFuture 1,4 Millionen Menschen deutschlandweit in 575 Orten und Städten unter dem Motto AlleFürsKlima auf die Straße, um für konsequente Klimapolitik und die Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels zu demonstrieren. Fast zeitgleich präsentierte das Klimakabinett in Berlin ein absolut unzulängliches „Klimapaket” und bezeichnete dieses als „Durchbruch“.
Die FridaysForFuture-Bewegung ist mittlerweile mehr als eine reine Jugendbewegung, wie die zahlreichen …ForFuture-Gruppen zeigen: Scientist, Parents, Artists, Farmers, …
Links:
https://fridaysforfuture.de/forderungen/
https://parentsforfuture.de/de/
https://www.scientists4future.org

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