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Ausgabe 3/2019

Der Raub des Landschaftszaubers

Wie aus vielfältigen Landschaften fragile Produkitonsstandorte wurden

Neulich in einem Gespräch. Ein Mann, Ende 20, sagt: „Nichts ist beständiger als der Wandel.“ Nickt wissend und öffnet das nächste Thema. Ob er sich seiner Worte bewusst war?

Autoren wie K.C. Ewald, H. Küster, P. Poschlod haben den strukturellen Wandel unserer Landschaften ausführlich beschrieben. Die Felder, „Bewirtschaftungseinheiten“, wurden seit den 1950er Jahren groß und größer. Ein durchschnittlicher Schlag n Brandenburg misst heute 17 Hektar. Wo es möglich war, wurden Hecken, Gebüsche, Fließe oder Sölle als Störquellen für die landwirtschaftliche Produktion entfernt. Hand in Hand zogen nach dem zweiten Weltkrieg Kunstdüngermengen, Pestizide und eine beeindruckende Mechanisierung ins Land. Mit dem kaum hoch genug zu schätzenden Resultat, dass in unseren Landschaften Hunger für die Menschen zum Fremdwort wurde. Mit gravierenden Folgen für den Landschaftshaushalt. Erosion auf Maisäckern wird akzeptiert. Ein Starkregen kann hunderte Tonnen wertvoller Erde auf Straßen, Wiesen, in Wälder spülen. Neu sind Staubstürme, die knochentrockene Erde übers Land, über Autobahnen, sogar bis in Vororte von Berlin jagen. Stickstoffmengen, bis mehr als 70 kg pro Hektar und Jahr, driften als Ablagerungen allein aus der Luft an. Pestizide und Nitrate belasten das Grundwasser teils jenseits der Grenzwerte. Landesweit sinken die Grundwasserspiegel. Das alles ist bekannt, längst sind nicht mehr Wissenschaftler sondern in erster Linie Politiker aber auch jeder Einzelne gefordert.

Epochen des Wandels

Nichts ist beständiger als der Wandel. Das gilt seit 4,7 Milliarden Jahren, seit der Entstehung der Erde. Vulkanausbrüche können mit ihren Aschewolken das Klima über Jahre kontinentübergreifend bestimmen. Eiszeiten sind über Jahrtausende und Jahrhunderttausende gemächlich über das Land gezogen. Haben alles Gewesene vernichtet und eine neue Landschaftsmatrize hinterlassen.

Seit rund 9.000 Jahren gestalten die Menschen in unserem Land ihre Landschaft spürbar mit. Vor 1.000 Jahren rodeten sie Wald in gigantischem Ausmaß.

Noch vor wenigen Jahrzehnten – bis etwa 1950 – lebten die Menschen in ihrer Landschaft. Sie fanden dort fußläufig Arbeit und Heimat. Dann nahm der von ihnen selbst verursachte Wandel wie ein riesiges Mühlrad Fahrt auf und prägte neue Gesichtszüge. Im Südwesten Deutschlands wurde der Kaiserstuhl komplett umgeformt. Gewaltige Maschinen schoben neue Terrassen über den alten Vulkan, machten den Weinbau lukrativer, konkurrenzfähig. Oder der ewige Kampf mit den Mooren. Ausgeklügelte Entwässerungssysteme haben dieses landwirtschaftliche „Unland“ selten werden lassen.

Heute haben die meisten Menschen ihre Landschaft, die Landschaft ihrer Kindheit, verloren. Ob sich Kinder heute überhaupt noch ihre Landschaft erobern, bei all den Terminen, sozialen Medien, PC-Angeboten? Wir Älteren jedenfalls können dem Verlust nachspüren, auf die Gefahr hin, uns zu erinnern.

Noch immer wird in Wetterberichten selbst nach dürren Wochen und Monaten vor „Regengefahr“ gewarnt und ein „Regenrisiko“ beziffert. Mit berückender Musik unterlegt, erzählen Naturfilmer über die Wunder der Tier- und Pflanzenwelt in aller Welt. So bezaubernd das ist, diese Filme haben mit „Landschaft“ – der Bühne für die Natur – nicht viel gemein. Viele Menschen haben inzwischen verlernt, Landschaft zu „lesen“, zu lauschen, zuzuhören –  und damit ein frühes Stück von sich selbst verloren.

Wenn ich heute durch die Landschaft ziehe, treffe ich Radfahrer, Skater, Wanderer. Menschen, die Landschaft als Kulisse für ihre Aktivitäten schätzen. Wie ich selbst. Selten, dass ich auf meinen geliebten Waldrunden auch nur einem Menschen begegne.

Die Bindung löst sich

Noch vor 70 Jahren war diese Landschaft unverzichtbarer Lebens- und Arbeitsort. Es war diese Landschaft, jedoch nicht dieselbe. Rinder grasten im Sommer auf den Weiden, Ochsen und Pferde waren weitgehend für den Verkehr zuständig. Den Treibstoff lieferten Wiesen. Einzelnstehende Bäume schenkten Tier und Mensch Schatten. Hecken, Früchte von Weißdorn, Holunder oder Misteln dienten wissenden Frauen als Apotheke.

Wo gearbeitet wurde, blieb Raum für gemeinsame Feste im Jahreskreis. Erntedank, Schützenfest, Ostermarkt. Platt war die Sprache der Landschaft und nein, es war kein Paradies für die Menschen. Für zahlreiche inzwischen verschollene oder selten gewordene Pflanzen- und Tierarten schon.

Heute bewältigen große Maschinen die Arbeit. Keine Frage, die Landarbeit noch vor 70 Jahren war eine Fron. Die Bauern waren zwangsläufig mit ihrer Scholle verbunden, kannten jeden Flurnamen: Priesterwiese, Kranebruch, Kaffeegraben Und die Besonderheiten ihrer Böden, ihrer Felder. Wissen, das selbstverständlich weitergegeben wurde. Dieser Zyklus ist unwiederbringlich durchbrochen. Der Landwirtschaftsbetrieb um meinen Heimatort hat jetzt den fünften Eigentümer in 30 Jahren. Die größten Betriebe in Brandenburg bewirtschaften 70 Quadratkilometer und mehr. Was verbindet sie noch mit ihrer Scholle?

Die Kehrseite

Wandel ist vielerorts zum Synonym für Verlust geworden. Selten, dass ich einen Kiebitz höre. Wo sind die Klangdome, die früher von Lerchen über den Feldern errichtet wurden? Wo die Orchideen, die noch vor Jahrzehnten feuchtes Grünland zu hunderten und tausenden zum Leuchten brachten? Der Große Brachvogel mit seinen flötenden Rufen und all die anderen Watvögel?

Ein Kollege von mir berichtete von seinen jährlichen Vogelzählungen und dem Verlustschmerz, wenn er eine Vogelart, die er jahrelang auf seinem Bogen erfasste, plötzlich nicht mehr hört. Seine Verlustliste wird von Jahr zu Jahr länger.

Einige ehemals ausgerottete Arten kommen zurück – solange sie geduldet werden. Wolf und Biber sind vielfältig beleuchtete Pressethemen. Für die einen steht ihre Anwesenheit für finsterstes Mittelalter, für andere sind sie Zeichen einer Aussöhnung des Menschen mit diesen Geschöpfen.

An die Wasserbaumeister mit der Kelle musste ich mich gewöhnen. Sie stauen Wasser, dort wurzelnde Bäume sterben. Wenn sie 150jährige Rotbuchen ringeln und dem Tode weihen, blutet mein Försterherz. Aber: Biber lehren mich Natur.

Wölfe. Kaum einer bekommt sie zu Gesicht. Ihre Anwesenheit hat den Wald, die Landschaft im Kopf verändert. Jederzeit könnte einer auftauchen. Ob wir wieder lernen, mit mächtigen, wilden Tieren zu leben? Wie Menschen in Rumänien, Kanada. Das liegt an uns.

Verschollenes

Ob es noch viele Menschen gibt, die dem charakteristischen jahreszeitlichen Klang ihrer Landschaft lauschen? Der Stille im Winter, soweit diese nicht von Verkehrsweglärm durchbrochen wird. Den Rufen der im Februar, März heimkehrenden Kraniche. Den vor Bienen summenden Weidenmännern, Tage später gefolgt von nektarschenkenden Weidenfrauen? Den ersten abendlichen Laubfroschkonzerten im Mai. Wo die neongrünen Musikanten noch singen. Wenn Rotbauchunken in Sommernächten ihre Klangteppiche über das Land legen. Dem Rauschen des Windes in Sommerkronen von Alleen?

Wer hat noch landschaftsprägende Gerüche in der Nase? Wenn im Juni die Robinien honigschwer duften, gefolgt von den Linden. Wenn der süße Cumaringeruch von trocknendem Heu vertraut über der Landschaft liegt. Der Geruch von einem See im Sommer. Ein alter Kiefernwald oder Douglasien, deren Terpene und Harze ihr Umfeld betören.

Ich erinnere mich an einen Arbeitsweg in Potsdam, einen heißen Juniabend. Als die Linden in der Heinrich-Mann-Allee intensiv dufteten und ich spürte, irgendetwas stimmt nicht, fehlt. In der Regionalbahn ist der Groschen gefallen. Sie haben geduftet, aber nicht gesummt. Im Straßenlärm habe ich keine Hummel, keine Wildbiene, keine Hornisse erlauscht.

Wer kann noch die Farben seiner Kinderlandschaft beschreiben? Die unzähligen Grüntöne vom april- bis in den maifrischen Wald. Wenn der Roggen auf weit über meterhohen Halmen graublau wogende Windmeere bildet. Gerstengrannen goldgrün das Relief zeichnen. Schnee und Eisflächen im Winter. Gelbe, braune, beige Zuckersandwege. Die im Regen weiß, rot, schwarz, silbern leuchtenden Granite und Gneise der Pflasterstraßen. Pfützen, durch die Kinder johlend platschen. Klatschmohnrot-kornblumenblau-margeritenweiße Wegraine, die in den ersten warmen Junitagen den bunten Sommer versprachen. Schmetterlinge gaukeln, Zauneidechsen huschen, Vögel brüten, pulsierende Lebensadern der Feldflur. Gewesen. Raine sind weitgehend verschwunden, untergepflügt. Jeder genutzte Quadratmeter bringt Subventionen.

Heute grüßen sattgelbe Rapsblüten den Mai. Doch wie Mais sind auch diese Felder kein Lebensraum. Nicht einmal für Regenwürmer. Dabei benötigen Weißstörche diese in rauen Mengen für ihre Küken. In Mecklenburg-Vorpommern ist die Zahl der Weißstörche in den vergangenen Jahren dramatisch gesunken, in Brandenburg werden die Rotbeine weniger. Kinderverse verschwinden aus der Landschaft, den Dörfern: „Klapperstorch du Guter, bring mir einen Bruder, Klapperstorch du Bester, bring mir eine Schwester“…

 

Verlorene Vielfalt

Obstbäume. Ich weiß gar nicht, wie viele tausend Apfelsorten in Deutschland noch vor 70 Jahren zuhause waren. Jede Fruchtsorte mit eigenem Geschmack, Geruch, Gesicht. Auch dies prägt Landschaft. Ein alter Bauer und Nachbar, den ich vor mehr als zwei Jahrzehnten fragte, ob wir von seinen Feldpflaumen ernten dürften, meinte: „Vor der Wende haben die 60 Bäume das ganze Dorf mit Pflaumen beschenkt. Seitdem interessiert sich keiner mehr dafür. Bring mir ein paar mit.“ Heute sind diese Pflaumenbäume zusammengebrochen, ungepflegt, ohne Nachwuchs, in Teilen verschwunden. Mit ihrem Bauern aus der Zeit gefallen.

Obstbäume geben der Landschaft weiche, schmackhafte Züge. Gab es früher Dörfer, von denen Kirschen-, Apfel-, Pflaumen- und Birnenalleen in die Feldmark führten, ist dies heute Ausnahme. 

Dörfer, bis vor vielleicht zwei Jahrzehnten landwirtschaftlich geprägt und regiert, haben alte Strukturen verloren. Menschen arbeiten nicht mehr auf den Feldern oder im Stall, sondern in der Stadt. Wenn überhaupt. Meist sind Kneipe und Laden weg, mit ihnen die gemeinsamen Feste, abendlichen Gespräche in der Laube, der Gemeinsinn und die erwachsenen Kinder sowieso. Der Arbeit nachgezogen. Menschen aus Städten kaufen Häuser, gründen Familien, bringen ihre Ansichten und neue Ideen mit.

In den alten Dörfern gab es noch Bauerngärten, pralle Farb-, Form- und Lebensfülle. Sie sind fast vollständig verschwunden. Kaum etwas zeigt den Wandel anschaulicher als der Vergleich von Bauerngarten und „Kieselsteinsteingarten“. Rundgeschliffene, graue oder sogar gefärbte Kieselsteine. Den ersten dieser Gärten habe ich im Nachbardorf 2018 entdeckt. Durch die Folie unter den kleinen Steinen sickert nicht einmal Wasser, kein Platz ist dort für Leben. Ebenso die Steine in Gabionen – Drahtgeflechte, die zu beliebten Garteneingrenzungen wurden.

Die mehrhundertjährige Dorflinde fällt mir ein. Platz für Gemeinschaft. Heute werden laubwerfende Bäume in Orten, in Gärten seltener. Ihr humusspendendes Laub macht Arbeit, muss entsorgt werden.

Und dann noch der Klimawandel

Der Jahreslauf hat sich geändert. Linden blühen zwei bis drei Wochen früher als in meiner Kindheit. Die Obstbäume sowieso. Hunderte von Kranichen sparen sich den Weg in ihre südlichen Winterquartiere und bleiben gleich in Brandenburg. „Mai kühl und nass, füllt dem Bauern Scheune und Fass.“ Wer kennt diese Bauernregel nicht! Doch jetzt kratzen bereits Februartage an der Zwanziggradmarke. Der wetterwendische April macht nur noch selten, was er will. Er kann 30 Grad schenken. Spätestens im Mai geht der sorgenvolle Blick von Land- und Forstwirten gen Himmel, wenn der Wetterbericht eine noch so geringe Regenmöglichkeit skizziert. Wer erinnert sich noch an Landregen, der Tage währte? Bei uns müssen wir auf Gewitter hoffen, bringen sie, was sie wollen. Pfützen sind vom Aussterben bedroht.

Moore, Sümpfe, Sölle und Fließe sind auf dem Rückzug. Trockengelegt, drainiert, verfüllt. Damit ist der Lebensraum ihrer eigenwilligen Bewohner wie Fieberklee, Sumpfblutauge oder Sonnentau rar geworden. Und er wird noch rarer werden. Der Dürresommer 2018 hat Zeichen gesetzt. Wälder haben gebrannt. Die Fortsetzung 2019 erhellt Anfang Juni die Nacht um Jüterbog und anderswo.

Wer noch sehen kann, hat in diesem Jahr viele Kranichpaare bemerkt, die noch im Mai gemeinsam auf den Äckern standen. Sie haben nicht gebrütet. Ihre Bodennester wollen von Wasser umgeben, leidlich vor Wildschweinen geschützt sein. Wo kein Regen, da keine wassergefüllten Sölle, da keine brütenden Kraniche.

Mein Lieblingswald ist ein Buchenwald. Rotbuche. Der langjährige Regendurchschnitt beträgt dort jährlich 530 Liter pro Quadratmeter. Die Rotbuche benötigt laut Lehrbuch mindestens 500 Liter. Von den zurückliegenden sieben Jahren waren an ihrem Standort sechs zu trocken. In diesem Jahr bin ich im Maiwald auf einem Teppich männlicher Buchenblüten gelaufen. Weich und schön. Schön? Ich kann mich nicht erinnern, vergleichbares jemals erlebt zu haben. Setzt die Buche bereits alles auf eine Karte und investiert, koste es was es wolle, in Nachwuchs? Diese gewaltige Blüte verbraucht immense Energie, die den Buchen an anderer Stelle fehlt. Zum Beispiel für die Zahl ihrer Blätter, für Abwehrmaßnahmen ihrer Feinde, für die Bildung neuer Wurzeln.

Die nächsten Jahre werden weisen, ob wir uns in Brandenburg mittelfristig von unseren Rotbuchenwäldern verabschieden müssen. Und die Eiche. Laut Waldzustandsbericht von 2018 sind 16 Prozent der märkischen Eichen gesund. 84 Prozent sind geschwächt, mehr oder minder angeschlagen.

Nichts ist beständiger als der Wandel. Das stimmt und stimmt auch wieder nicht. Der Wandel bleibt. Nur Geschwindigkeit und Dimension variieren. Unsere Landschaften der Kindheit, vergangen, verloren, verweht. Mit ihnen ihre Farben, Stimmen, Gerüche, Bewegungen.

Nichts ist beständiger als der Wandel? Mir fiele da schon etwas ein.

Roland Schulz

 

 

Daten zum strukturellen und funktionellen Wandel der Landschaften

Maisanbau in Brandenburg 1999-2002 auf rund 10 Prozent der Ackerfläche, 2016 auf rund 20 Prozent. Der Deutsche Imkerbund schlägt statt Mais für Biogas-Anlagen die Aussaat von Blühpflanzen wie die Durchwachsene Silphie vor.

 

Greening: Landwirte erhalten die volle EU-Förderung, wenn sie zusätzliche Umweltleistungen erbringen. Dazu gehören u.a. der Erhalt von Landschaftsstrukturen wie Hecken, Kleingewässern oder Feld- und Wegrainen, aber auch der Anbau von Zwischenfrüchten wie Phacelia oder Senf-Rüben-Sonnenblumen-Gemische. Diese blühen erst Ende September bis in den Dezember und sind für Insekten weitgehend wertlos.

 

Eine Studie des Krefelder entomologischen Vereins in einem Naturschutzgebiet belegt einen Rückgang der Biomasse von Fluginsekten um 75 Prozent zwischen 1989 und 2014.

 

2017 hat die Landesregierung von Brandenburg den Rückgang der Feldvogelarten im Land seit 1999 auf ein Drittel beziffert. Kiebitze hätten um 77 Prozent, Feldsperlinge um 31 Prozent, Feldlerchen um 30 Prozent abgenommen. Der „Rückgang der Randstrukturen wie Feldräume, Hecken und Ackerrandstreifen“ sei mitverantwortlich für den Schwund bei den Rebhühnern (-65 Prozent), Neuntötern (-38 Prozent), Raubwürgern (-65 Prozent). Es fehlen Blüten und damit Insekten als Futter. Das zuständige Ministerium verweist mit Blick auf Studien, dass Ökolandbau (11,4 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche) deutlich vogelfreundlicher ist als herkömmlicher Feldbau. Der Rückgang der Feldvogelarten wird durch die wachsende Zahl von Prädatoren wie Waschbär und Fuchs beschleunigt.

 

Zum Wandel der Moore Brandenburgs skizziert der BUND Brandenburg: Durch Entwässerungsmaßnahmen und Kultivierung von Landflächen, sind nur noch 7.000 Hektar ausreichend mit Wasser versorgt. Gegenwärtig sind nur noch 10 Prozent der brandenburgischen Moore in einem naturnahen Zustand und lediglich zwei Prozent des Gesamtmoorbestandes bilden noch Torf.

 

Wie eine BUND/NABU-Studie zeigte, sind insbesondere Kleingewässer im Umfeld von Maismonokulturen mit Glyphosat und deren Abbauprodukten belastetet.

 

rbb Panorama vom 10.6.2019: Dünger und Pestizide aus der Landwirtschaft belasten viele Seen, Flüsse und Bäche in Brandenburg. EU-Vorgaben werden nach Angaben des Umweltministeriums bei zahlreichen Gewässern verfehlt. 57 Prozent der berichtspflichtigen Seen erreichen den guten ökologischen und chemischen Zustand als Bewirtschaftungsziel nicht.

 

Nach Angaben des WWF vom November 2018 sind 12 der 40 bewerteten Grundwasservorkommen im Land Brandenburg in schlechtem Zustand. Bei 40 Prozent besteht laut WWF das Risiko, „den guten chemischen Zustand künftig nicht zu erreichen“. Das Grundwasser in Deutschland weist im EU-Vergleich die zweithöchste Nitratbelastung auf. Zwischen 2012 und 2015 wurde der Grenzwert bei mehr als einem Viertel der Messstationen überschritten. Aufgrund angedrohter Zwangszahlungen durch die EU soll im Mai 2020 bundesweit eine neue Düngeverordnung in Kraft treten.

 

Wie es besser werden könnte

Seit Jahrzehnten fordern Wissenschaftler wie Prof. Michael Succow, das Wasser in der Landschaft zu halten.
Der NABU und weitere Umweltorganisationen fordern wenigstens 10 Meter breite Randstreifen um Gewässer.

 

Je nach Landschaftsausprägung können Strukturen wie Hecken, Blühstreifen, Brachen, Feldgehölze und Kleingewässer so angelegt werden, dass sie sich positiv auf den Landschaftshaushalt und wildlebende Tier- und Pflanzenarten auswirken. Das ist teilweise im Rahmen des „Greening“ möglich.

 

Landwirte beteiligen sich an entsprechenden Maßnahmen, wenn Ertragseinbußen finanziell ausgeglichen werden.

 

Es darf nur so viel gedüngt und so viel Pestizid ausgebracht werden, dass das Grundwasser nicht erreicht und geschädigt wird.

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