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Naturwacht Brandenburg

Naturwunder Vogelzug

Es ist gar nicht so einfach, das Geschnatter der vielen Gänse akustisch auseinanderzuhalten. Zu Tausenden sammeln sie sich im September und Oktober gemeinsam mit Kranichen auf den Feld- und Wasserflächen im Naturpark Niederlausitzer Landrücken. Durch Ferngläser und Spektive bestaunt eine Gruppe Naturinteressierter das Treiben. Der Naturpark-Ranger Jörg Nevoigt gibt auf dem Kranichturm bei Freesdorf, südlich von Luckau, seinen Gästen Tipps, wie sich die Arten unterscheiden lassen. „Wenn man die Hände hinter die Ohren hält, kann man die Rufe deutlicher hören. Den tiefsten Ton machen die Graugänse, der höchste stammt von der Blässgans“, klärt Jörg Nevoigt auf. Allmählich werden die Rateversuche der Gäste treffsicherer.

Die Ranger der Naturwacht Brandenburg zählen seit vielen Jahren die Zugvogelbestände. „Wir kommen hier in den letzten fünf Jahren auf bis zu 30.000 Tiere. Nicht nur Gänse, auch Kraniche, Kiebitze und Silberreiher sammeln sich auf dem Borcheltsee“, erklärt Nevoigt. Den ganzen September und Oktober lang bietet die Naturwacht immer samstags und sonntags in der Abenddämmerung Führungen zum Beobachtungsturm an.
„Die Stimmung am Turm ist jeden Abend anders“, schwärmt Jörg Nevoigt. Der Ranger ist auch nach 22 Jahren im Dienst noch immer fasziniert vom Naturwunder Vogelzug. Inzwischen ist die Nacht hereingebrochen. Die Gruppe bestaunt durch Ferngläser und Spektive die vielen Kraniche, die nun eng gedrängt im flachen Borcheltsee stehen. Aus der Dunkelheit dringt noch immer ihr markanter Ruf. Die nordischen Gänse haben sich auf die großen Tagebau-Gewässer zurückgezogen. Sie bevorzugen größere und tiefere Gewässer, wo sie schwimmend mit ausreichendem Abstand zum Ufer übernachten können.
Zirka 250 Vogelarten brüten in Deutschland. Etwa die Hälfte davon sind Zugvögel. Experten schätzen, dass in Summe 100 Millionen Tiere jedes Jahr die lange Reise in die Winterquartiere im wärmeren Süden antreten. Einige Limikolen fliegen dabei Strecken von über 10.000 Kilometern am Stück.
Übrigens: Bevor es Peilsender oder die wissenschaftliche Beringung von Zugvögeln gab, wussten die Menschen sehr wenig über die Reisen vieler Vögel gen Süden. So dachte man lange, dass Schwalben, die sich am Ufer vor dem Abflug sammeln, im Schlamm eingegraben überwintern. Gelegentliche Totfunde im Eis schienen diese Theorie zu belegen. Erst durch die systematische Beringung und die Erfindung von Peilsendern konnte allmählich nachgewiesen werden, welch weite Strecken Richtung Süden viele Arten zurücklegen, um dem entbehrungsreichen Winter zu entfliehen.
Zu erstaunlicher Berühmtheit brachte es der so genannte Pfeilstorch. Man kann sich die Überraschung vorstellen, die Vogelkundler erlebten, als dieser 1822 samt namensgebendem Pfeil im Hals auf seinem Horst auf Schloss Bothmer bei Klütz in Nordwestmecklenburg landete. Damit lag erstmals ein Beleg vor, dass der Weißstorch bis nach Afrika zieht. Mittlerweile sind mehr als 20 Pfeilstörche dokumentiert.

 

Info

Im September und Oktober sammeln sich riesige Vogelschwärme in Brandenburgs wasserreichen Großschutzgebieten. Sie durchziehen den Himmel zu tausenden in eleganten Formationen auf ihrem Weg Richtung Süden. Die Ranger der Naturwacht Brandenburg bieten zum „Großen Vogelzug“ im September und Oktober mehr als 40 Wanderungen und Vorträge an. Für die Teilnahme empfiehlt sich der Witterung entsprechende Kleidung. Auch Fernglas und Spektiv sind wertvolle Begleiter. Alle Touren im Veranstaltungskalender: www.naturwacht.de.

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