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Ökowerk Berlin e.V.

Alte Apfelsorten im Ökowerk

Am Sonntag, den 29. September findet von 13.00 bis 16.00 Uhr der Thementag „Rund um den Apfel“ im Naturschutzzentrum Ökowerk Berlin e. V. statt. Neben der Apfelringwerkstatt gibt es Apfelmärchen und einen Infostand zu alten und neuen Apfelsorten. Vorab konnten wir einen Experten, den Pomologen Hans-Georg Kosel, gewinnen, uns ein paar Fragen zu diesem interessanten Thema zu beantworten.

Bettina Funke: Bitte sagen Sie uns ganz kurz etwas zu Ihrer Person und dem Verein.
Hans-Georg Kosel: Durch eine schicksalhafte Begegnung mit dem bekannten Obstbauer und Pomologen Ekart Brandt wurde ich 2001 Mitglied im Pomologenverein und gründete 2003 die Landesgruppe Berlin-Brandenburg (80 Mitglieder). Bis dahin war ich beruflich als Dipl. Betriebswirt in der Großindustrie im technischen Außendienst für Großprojekte tätig. Gleichzeitig wurde ich Mitglied in der Obstbausiedlung Eden und siedelte mich dort an. Neben dem Selbststudium in der Sortenbestimmung und Weiterbildungsmaßnahmen bin ich nebenbei seit 2012 Dozent für Altbaumpflege und Revitalisierung alter Obstbäume (Ü50) am LVGA in Großbeeren tätig. Im Herbst 2019 startet dort die einjährige Ausbildung zum Obstbaumwart.

Was ist das Besondere an alten Apfelsorten?
Alte Apfelsorten (Bäume) haben eine lange Lebensdauer (Ü100). Mit ca. 5.000 Sorten gibt es eine große Vielfalt (Geschmack) gegenüber 300 neuen Handelssorten. Die Früchte sind ernährungsphysiologisch gesünder und gehaltvoller mit Vitaminen und Polyphenolen besetzt. Darum sind Sie auch für die ca. vier Millionen Allergiker in Deutschland verträglicher und essbar.

Und wie viele alte Apfelorten gibt es?
Ca. 5.000 Sorten und zweimal so viele Regionalsorten. In der EU sind 12.000 Apfelsorten registriert.

Sie beschäftigen sich u.a. mit Baumsanierung und -pflege. Worauf ist bei der Obstbaumpflege zu achten?
Die fachgerechte Anpflanzung von Obstbäumen nach vorhergehenden Bodenprüfung, Pflanzloch, Mischung, Apfelsorte, Unterlage, Zeitpunkt Pflanzung, Pflanzschnitt, Erziehungsschnitt sind essentiell. Die ersten zehn Jahre müssen Obstbäume mindestens jährlich "erzogen", d. h. geschnitten, werden, damit sie ordentliche Bäume werden. Die Altbaumpflege ist aufwendiger und anspruchsvoller – besonders dann, wenn die Bäume verwahrlost, vergreist, krank und stark geschädigt sind. Nach fachkundiger Anleitung können diese Bäume im Zeitabschnitt bis zu drei Jahren wieder in einen vitalen Gesundheitsstatus geführt werden. Altbäume müssen nur alle drei, fünf oder sieben Jahren gepflegt werden.

Gibt es da Unterschiede zwischen Apfelbäumen und anderen Obstsorten?
Man unterscheidet zwischen Stein- und Kernobst. Es gibt natürlich unterschiedliche Pflegezyklen, je nach Arten und Wuchsneigung. Kirschen, Pflaumen, Pfirsiche und Mirabellen werden zu unterschiedlichen Zeitpunkten wie spätes Frühjahr und im Sommer geschnitten. Kernobst wie Äpfel u. Birnen dagegen überwiegend in der Winterpause.

Was mache ich mit einem Baum, der optisch nicht mehr gut aussieht?
Einem natürlich gewachsenen Baum ist die Optik egal. Ein krummgewachsener Baum kann ebenso gesund sein. Nach einer Begutachtung durch einen Obstbaumwart oder Pomologen wird der Gesundheitsstatus festgelegt und der Baum gegebenenfalls revitalisiert. Nach zwei bis drei Jahren sieht er dann auch wieder gut aus.

Wie alt können Apfelbäume werden?
Je nach Apfelsorte und Standortpflege weit über 100 Jahre. Der älteste Apfelbaum, den ich kenne, steht in Potsdam in der Alexandrowka und ist 1826 gepflanzt worden.

Möchten Sie etwas zu Boden- und Wurzelgesundheit sagen?
Unsere Böden sind in Deutschland in schlechtem Zustand. Das gilt für normale Gehölze und Obstbäume. Die Böden leiden unter natürlicher und unnatürlicher Verdichtung, Bodenerosion, Bebauung und Vernachlässigung der Unterkulturen. D.h., die Wurzeln bekommen keinen Sauerstoff, keine Nährstoffe und nicht ausreichend Wasser. Die Baumscheiben bzw. Böden werden nicht mehr gezielt durch Unterkulturen von Menschen oder Tieren "bewirtschaftet".

Alte Obstbäume gelten als Lebensraum für Insekten. Können Sie uns einige Beispiele nennen?
Man muss hier nach Nützlingen und Schädlingen differenzieren. Bei einer Überpopulation von Schädlingen gehen Gefahren auf junges und gesundes Baummaterial über. Nützlinge wie Marienkäfer, Florfliege, Ohrwurm und Kurzflügler mit verschiedenen Käferarten tragen zur Gesundung und Erhaltung der Bäume bei.

Sie machen u.a. Verbraucherberatung. Wie läuft das ab?
Im Rahmen unserer vielen Sortenbestimmungen an Apfel-, Ernte- und Herbstfesten werden wir immer wieder nach der Verwendung und Pflege der jeweils entdeckten und zugeordneten Apfelsorten gefragt. Wir beraten in Verwendbarkeit, Lagerung, Pflege der Bäume bis hin zur Allergieverträglichkeit und Bezugsquellen.
Sie machen u.a. Verbraucherberatung. Wie läuft das ab?
Im Rahmen unserer vielen Sortenbestimmungen an Apfel-, Ernte- und Herbstfesten, werden wir immer wieder nach der Verwendung und Pflege der jeweils entdeckten und zugeordneten Apfelsorten gefragt. Wir beraten in Verwendbarkeit, Lagerung, Pflege der Bäume bis hin zur Allergieverträglichkeit und Bezugsquellen.

Auch am 29. September beim Thementag „Rund um den Apfel“ können alte Apfelsorten mitgebracht und gemeinsam bestimmt werden.

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