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Erfolgreich auf Sand gebaut

Stiftung hat ihr Projekt „LIFE Sandrasen“ beendet

Sechs Jahre lang hat sich das Team vom EU LIFE-Projekt „Sandrasen im Dahmeseen-Gebiet“ der Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg intensiv um für das Land durchaus typische, aber inzwischen sehr selten gewordene Lebensräume und die darin beheimateten Arten gekümmert – um märkische Sandlandschaften auf Trockenrasen und Dünen, in Heiden oder flechtenreichen Kiefernwäldern. Die Projektgebiete verteilten sich auf die Landkreise Dahme-Spreewald, Oder-Spree und Teltow-Fläming.

Im Verlauf des Projekts haben die Kolleginnen und Kollegen ganz verschiedene Naturschutzmaßnahmen initiiert, fachlich begleitet und selbst umgesetzt: Von A wie „Abtrag von Oberboden“ über B wie „Beweidung organisieren“ bis hin zu W wie „Wanderwege einrichten“ und Z wie „Zaun- und Brunnenbau“.

Was sich in anderen Arbeitsfeldern durchaus zu einem Problem entwickeln kann, wurde in „LIFE Sandrasen“ auf vielen Flächen zur Arbeitsmaxime: zu stören. Allerdings erstreckten sich die projektbedingten Störungen ausnahmslos auf die Veränderung von Erdoberfläche, um den spezialisierten Pflanzen der Sandlandschaften – beispielsweise Kartäusernelke, Astloser Graslilie, Steppen-Lieschgras oder Grauer Skabiose – wieder gute Ausgangsbedingungen zum Keimen und Wachsen zu verschaffen. Damit diese neuen Lebensräume auch wirklich genutzt werden können, haben die Kolleginnen und Kollegen tausende Pflanzen seltener Trockenrasenarten in den märkischen Sand gesetzt und Samen beutelweise auf das vorbereitete Keimbett gestreut.

Neben den zahlreich umgesetzten Maßnahmen stehen auch viele Lehren und Erfahrungen auf der Habenseite des Projekts. In seinem Vortrag anlässlich der Abschlusstagung zum Projekt Ende Mai in Blossin hat Projektleiter Holger Rößling mehrere Thesen formuliert, die sich während der Projektumsetzung herauskristallisiert haben:

  • 1.   Klassische Maßnahmen wie Entbuschung, Mahd und Beweidung allein reichen zum Erhalt der offenen Trockenlebensräume nicht aus.
  • 2. Drastische Maßnahmen wie Oberbodenabtrag sind zur Wiederherstellung geeigneter Standortverhältnisse notwendig.
  • 3.    Verschwundene Pflanzen kommen nicht von allein zurück. Artenhilfsmaßnahmen sind unverzichtbar.
  • 4.  Wir müssen akzeptieren, dass wir im Zeitalter der „Aktiven Landschaftsgestaltung“ und des „Gärtnerns“ angekommen sind!

Erleben kann man die Sandlandschaften im Dahme-Seengebiet natürlich auch: auf Rundwanderwegen, bei Ranger-ErlebnisTouren oder gemütlich im Schwingsessel auf dem Balkon beim Blick in die Broschüren „Leben im Sand“, „Trockenlebensräume im Dahme-Seengebiet“ oder dem Kinderheft „Lilian und Filli Walker in Sandrasien“. Dies alles und mehr findet sich auf www.sandrasen.de.

Bleibt zum Schluss den Kolleginnen und Kollegen und allen anderen Beteiligten und Partnern Danke für die erfolgreiche Arbeit zu sagen und auch Respekt zu zollen. Denn es ist längst nicht selbstverständlich, die geplanten Projektziele in der vorgesehenen Zeit zu realisieren und dabei das Budget perfekt im Blick zu behalten.

Marc Thiele
Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg

 

Info

„LIFE Sandrasen“ hat im Dahme-Seengebiet auf insgesamt 90 Hektar die Wiederherstellung von lichten Wäldern und offenen Sandlandschaften unterstützt.

Dabei wurden Trockenrasen entbuscht, Wälder aufgelichtet und standortfremde Gehölze entnommen und geringelt. Auf Flächen mit einer Gesamtgröße von zehn Hektar hat „LIFE Sandrasen“ Humus- und Streuauflagen abgetragen und offene Sandflächen geschaffen.

Gemeinsam mit der Naturwacht, dem Botanischen Garten der Universität Potsdam und der NagolaRe GmbH hat „LIFE Sandrasen“ das Saatgut von zwölf Pflanzenarten der kalkreichen, trockenen Sandrasen gesammelt und in Kulturen vermehrt.

Aus diesen Kulturen konnten

  • 15 Kilogramm Saatgut gewonnen sowie
  • 27.000 Jungpflanzen angezogen und in 14 Natura 2000-Gebieten ausgebracht werden.

Mindestens 25 Hektar Trockenrasen werden durch diese Artenhilfsmaßnahmen in neuer Vielfalt erblühen.

„LIFE Sandrasen“ hat die Landnutzer in den Natura 2000-Gebieten mit

  • 7.500 Meter festen Weidezäunen,
  • 3.000 Meter mobilen Weidezäunen,
  • drei festen Nachtpferchen,
  • einem festen Weideunterstand und
  • acht Weidebrunnen unterstützt.

Die Landnutzer können dadurch ihre Tiere auch in Zukunft auf mindestens hundert Hektar Trockenrasen und Heiden verlässlich weiden lassen.

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