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Gute Böden, schlechte Böden

Humus lässt Böden Wasser speichern und Nährstoffe verfügbar werden

Wetterkapriolen in den vergangenen Jahren stellen vor allem Landwirte und Gärtner vor neue Herausforderungen. Wie können sie ihre Anbauflächen vor Austrocknung bei lang anhaltender Trockenheit, wie 2018, oder gegen zu viel Nässe durch Dauerregen, wie im Jahr zuvor, schützen? Eine Möglichkeit, sich Klimaänderungen anzupassen und gleichzeitig etwas für eine bessere CO2-Bilanz zu tun, ist der Aufbau organischer Bodensubstanz, besser bekannt als Humus. Eine gute, wenn auch eher langfristige Lösung.

Als organische Bodensubstanz werden tote pflanzliche und tierische Stoffe im Boden bezeichnet. Gebildet wird sie vor allem aus Streustoffen von Pflanzen und aus toten Bodenorganismen wie Bakterien, Pilzen und Bodentieren – das erklärte Dr. Norman Gentsch während einer Tagung im November 2018 zum Thema „Humusaufbau – Chance für Landwirtschaft und Gartenbau gegen Klimawandel“. Werden die Streustoffe in stabile organische Substanzverbindungen umgewandelt, wird von Humifizierung gesprochen, die Umwandlung von organischer Substanz in pflanzenverfügbare Nährstoffe als Mineralisierung bezeichnet.
Dass eine Kreislaufwirtschaft gut für den Boden ist, ist zwar ein alter Hut, aber arbeitsintensiv im Gegensatz zum Einsatz von Agrochemikalien und Kunstdünger. Durch deren Einsatz verloren die Böden bis zu 75 Prozent organischen Kohlenstoff, der für die Speicherung von Wasser, den Aufbau und Erhalt der Bodenstruktur, die Sicherung der Nährstoffversorgung sowie die Festlegung und den Abbau von Schadstoffen notwendig ist. Die Folge: schlechtere Böden, Zunahme von Wind- und Wassererosion, Bodenverdichtung, die Böden speichern weniger Wasser, die Nährstoffverfügbarkeit nimmt ab und der Lebensraum für Bodenorganismen wird immer kleiner. Nun gilt es, diesen Prozess aufzuhalten oder am besten umzukehren.
Kleinflächig, also auf Gartenebene, so Gentsch, kann dies durch den Verzicht auf Umgraben, erhöhte Kompostauflagen und Mulchmaterial relativ schnell erreicht werden. Wird dem Kompost noch Pflanzenkohle beigemengt, kann dies den Effekt erhöhen. Schwieriger und vor allem langfristiger gestaltet sich der Aufbau von organischer Substanz auf landwirtschaftlichen Flächen. Ein erster Schritt ist die Reduzierung der Bodenbearbeitung, denn Pflügen belüftet den Boden und Mikroorganismen beginnen die organische Substanz umzusetzen und abzubauen, statt sie aufzubauen, erläutert Gentsch. Jens Petermann, der seinen Betrieb von konventionell auf die biodynamische Bewirtschaftung umbaut (vgl. naturmagazin 1/2016), fasst in wenigen Punkten zusammen, was für den Aufbau von organischer Bodensubstanz – und damit für einen besseren Boden – notwendig ist. Das sind vor allem eine ganzjährige Bodenbedeckung; eine vielfältige Fruchtfolge; Untersaaten und Zwischenfrüchte stabilisieren die Bodenstruktur und fördern die Biodiversität der Bodenlebewesen; die Anbautechniken dürfen das Bodenleben nicht stören; die Kompostierung und Behandlung der überschüssigen Biomasse, sodass im Boden keine Fäulnisprozesse gestartet werden, sondern die Nährstofffreisetzung im Boden stabilisiert wird; der Einbau von Weidehaltung in die Fruchtfolge.
Dem Humusaufbau widmet sich in Österreich die Ökoregion Kaindorf. Deren Fazit lautet nach elf Jahren: Kohlenstoffanreicherung, also Humusaufbau, ist bei richtiger Bewirtschaftung sogar ohne große Kompostmengen möglich. Außerdem, führt der Projektleitet Gerald Dunst an, benötigt der Humusaufbau Stickstoff, dieser wird im Boden gebunden. Dies zeige, dass Humus nicht die Ursache des Nitratproblems, wie häufig unterstellt, sondern eher eine Lösung sei. Und die Wasseraufnahme in Humusböden steigere sich: Jedes Prozent Humus speichert zusätzlich 400 Kubikmeter Wasser pro Hektar und das auch noch besonders schnell: bis zu 150 Liter in der Stunde.
Humus beeinflusst direkt die Kreisläufe von Kohlenstoff, Wasser und Nährstoffen. Daher liegen die Vorteile einer guten organischen Bodensubstanz klar auf der Hand: Ist genügend organischer Kohlenstoff im Boden vorhanden, bleiben Nährstoffe im Boden, werden nicht ausgewaschen und sind pflanzenverfügbar. Humus steuert die Wasseraufnahmefähigkeit und die Menge des pflanzenverfügbaren Wassers im Boden. Humus ist Nahrungsgrundlage für alle Bodenorganismen. Die Anzahl der Käfer, Regenwürmer und Mikroorganismen steigt proportional mit der organischen Substanz im Boden an, sie alle schließen die im Humus gespeicherten Nähstoffe auf und machen sie pflanzenverfügbar. Somit wird deutlich, dass die organische Bodensubstanz auf das Pflanzenwachstum und die Produktivität der Böden direkt einwirkt, außerdem wird Kohlenstoff gebunden – das tut dem Klima und den Menschen gut.


Kerstin Koch

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