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Naturschutz mit scharfer Klinge

Traubenkirschen ringeln im Sutschketal

Wer mit aufmerksamem Blick durch das Sutschketal bei Königs Wusterhausen wandert, entdeckt dort viele Bäume, die am Stamm von einem hellen Band gezeichnet sind. Es handelt sich um frisch geringelte Traubenkirschen – eine Maßnahme des Projekts LIFE Sandrasen, das sich von 2013 bis 2019 im Dahme-Seengebiet für Trockenlebensräume einsetzt.

Die Spätblühende Traubenkirsche (Prunus serotina) stammt ursprünglich aus Nordamerika. Von dort aus wurde sie bereits im 17. Jahrhundert als Gartenpflanze nach Europa gebracht. Bis ca. 1950 wurde die aus ihrem Ursprungsland als anspruchslos bekannte Art auch in deutschen und holländischen Forsten angepflanzt – man erhoffte sich guten Holzertrag und Bodenverbesserung.
In unseren Breitengraden wächst die Spätblühende Traubenkirsche als Neophyt oftmals strauchartig, kann aber auch dickere Stämme bilden und bis zu 20 Meter hoch werden. Sie bevorzugt lichte Standorte. Mit ihrem dichten Kronendach verdrängt sie andere Baumarten. Die Unterscheidung von der einheimischen Gemeinen Traubenkirsche (Prunus padus) ist für Laien nicht einfach. Die eingewanderte Traubenkirsche hat glänzende kräftige Blätter, die einheimische matte, weiche. Auffällig ist zudem, dass die Rinde von Prunus serotina nach Bittermandeln riecht.
Neophyten gibt es bei uns mittlerweile viele, und nicht alle bereiten der heimischen Flora Probleme. So ist auch die Traubenkirsche in vielen Forsten nur im Unterwuchs präsent. Problematisch wird es, wenn ein größerer Holzeinschlag stattfindet und dadurch mehr Licht auf den Waldboden fällt – dann kann die Traubenkirsche großflächig aufwachsen. Ihre Samen der Art aber auch durch Samenausbreitung von Vögeln und Säugetieren auch in Offenlandbiotope und breitet sich in Mooren, Heiden und Sandtrockenrasen aus. In diesen selten gewordenen Lebensräumen kann eine Bekämpfung der Traubenkirsche aus Naturschutzsicht sinnvoll sein.

Wie wird man sie los?

Ringeln ist eine spezielle Form der Neophytenbekämpfung. Die Traubenkirsche wieder loszuwerden ist nämlich gar nicht so einfach: Wird der Stamm gefällt und der Wurzelstock bleibt im Boden, treibt die Pflanze mittels Wurzelbrut erneut aus – also muss auch die Wurzel herausgerissen werden. Eine Alternative zu dieser aufwendigen Methode ist das Ringeln. Auf einem 20 bis 50 Zentimeter breiten Stammabschnitt wird die Rinde entfernt und dadurch der Stofffluss im Stamm unterbrochen. Das führt zum allmählichen Absterben der Pflanze, ohne dass sich Stockausschläge oder Wurzelbrut bilden.
Wer von Hand arbeiten möchte, kann spezielle Werkzeuge benutzen, die auch für das Ringeln von Robinien geeignet sind. Wichtig ist, dass die Rinde samt Kambium vollständig entfernt wird. Hierfür wird zuerst mit einem Zugmesser die Rinde entfernt. Anschließend werden mit einer Ringelsäge oder Drahtbürste die verbleibenden Reste beseitigt. Größere Exemplare können auch sehr gut mit der Kettensäge geringelt werden. Diese schält tiefer und das Nachbessern mit Ringelsäge oder Bürste erübrigt sich. Egal ob von Hand oder mit der Maschine – der Stamm sollte möglichst bodennah geringelt werden. Traubenkirschen-Jungwuchs kann bis zu einem Durchmesser von etwa zwei Zentimetern auch mit einem Taschenmesser geringelt werden.
Wer sich eingehender mit der Spätblühenden Traubenkirschen befassen möchte, findet ein ausführliches Merkblatt von Dr. Kuno Brehm zu den Vor- und Nachteilen verschiedener Bekämpfungsmethoden auf der Webseite des NABU Schleswig Holstein (www.schleswig-holstein.nabu.de).

Lea Egloff
Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg


Weitere Infos zum LIFE-Projekt unter www.sandrasen.de


Großeinsatz im Sutschketal

Im großen Stil geringelt wurde im Herbst 2018 im Naturschutzgebiet Sutschketal südlich von Königs Wusterhausen. Dort breitet sich die Amerikanische Traubenkirsche vor allem in den trockenen, ehemals lichten Kiefern-Eichenwäldern aus. Im Auftrag des EU LIFE Projekts „Sandrasen im Dahme-Seengebiet“ ringelte ein professionelles Unternehmen im Herbst 2018 über 2.000 Exemplare mit der Kettensäge.
Das Sutschketal ist fast zwei Kilometer lang und bis zu 250 Meter breit. Bereits 1938 wurden das Tal und der Krumme See wegen ihrer landschaftlichen Schönheit und der artenreichen Tier- und Pflanzenwelt unter Landschaftsschutz gestellt. Seit 1995 ist eine Fläche von ungefähr 63 Hektar im Sutschketal Naturschutzgebiet. Wegen seiner vielfältigen Lebensräume ist das Sutsckketal auch Teil des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000.
Das Sutschketal ist von den Bahnhöfen Bestensee und Königs Wusterhausen gut zu erreichen. Ein zehn Kilometer langer Rundwanderweg verläuft entlang des Talgrundes vorbei an Feuchtwiesen, Mooren und um den Krummen See. Seit Juni 2018 stehen entlang des Wanderwegs fünf neue Informationstafeln, die über das Naturschutzgebiet, die Geschichte des Tals und über umgesetzte Naturschutzmaßnahmen berichten.

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