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Ausgabe 3/2018

Ökowerk Berlin e.V. - Moorschutz ist Klimaschutz

Ausstellung „Moore, Klimaschutz und Paludikultur“ zu Gast im Ökowerk Berlin

Vom 6. Oktober bis 3. November 2018 wird die Wanderausstellung „Moore, Klimaschutz und Paludikultur“ im Naturschutzzentrum Ökowerk Berlin e. V. zu sehen sein. Vorab hatte Bettina Funke die Gelegenheit, Susanne Abel, der Projektkoordinatorin von MoorDialog, ein paar Fragen zur Ausstellung zu stellen.

Bettina Funke: Seit wann gibt es die Ausstellung und wo war sie schon überall zu sehen?

Susanne Abel: Die Ausstellung wurde im Rahmen des Projektes MoorDialog 2016 entwickelt und ist seit Sommer 2016 in Deutschland unterwegs. Eröffnet wurde sie im Biorama in der Schorfheide.

Was möchten Sie den Besuchern mit der Ausstellung vermitteln?

Die Besucher sollen erfahren, dass nasse Moore Klimaschützer sind – und damit unheimlich wichtig für den Menschen. Dass sie uns alle etwas angehen und wir die Moorböden in Deutschland schützen müssen. Denn nur „nass“ können Moore Kohlenstoff speichern. Wird ein Moor entwässert, entweicht der im Torf gespeicherte Kohlenstoff als Treibhausgas CO2 in die Luft. Leider ist der Großteil der deutschen Moore trockengelegt. Rund drei Viertel der entwässerten Moorböden werden land- und forstwirtschaftlich genutzt. Insgesamt macht das zwar nur 7,3 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche aus, verursacht aber ein Drittel der gesamten landwirtschaftlichen Treibhausgasemissionen. Entwässerte Moore sind damit ein Hotspot für den hiesigen Klimaschutz. Die Wiedervernässung und standortgerechte nasse Nutzung – die Paludikultur – kann diese Emissionen nachweislich erheblich senken. Darüber hinaus bieten intakte Moore aber auch andere wichtige Ökosystemleistungen, beispielsweise den Rückhalt von Schadstoffen und die Regulierung des Lokalklimas sowie des Wasserhaushalts. Außerdem haben sie eine große Bedeutung für die biologische Vielfalt.

Was bedeutet Paludikultur?

„Paludikultur“ ist vom lateinischen „palus“ abgleitet, das sich mit „Sumpf“ oder „Morast“ übersetzen lässt. „Paludikultur“ beschreibt also die nachhaltige land- und forstwirtschaftliche Nutzung nasser Hoch- und Niedermoore. Ein traditionelles Beispiel für diese Wirtschaftsweise ist der Anbau von Schilf für Dachreet. Neue, innovative und nachhaltige Nutzungen sind beispielsweise die energetische Verwertung von Niedermoor-Biomasse oder die Nutzung von Röhrichten für neue Baustoffe oder die Kultivierung von Torfmoosen als Torfersatz in Substraten für den Gartenbau. Die nasse Bewirtschaftung von Moorböden nützt dem Klimaschutz sowohl durch Minderung des CO2-Ausstoßes als auch durch Verdunstungskühlung. Sie liefert Alternativen für fossile Rohstoffe, ohne dabei mit Flächen zur Nahrungsmittelproduktion in Konkurrenz zu treten. Paludikultur fördert die Biodiversität und unterstützt die Ökosystemleistungen der Moore. Außerdem bietet sie Perspektiven für die Landwirtschaft und den Tourismus in schwach entwickelten Regionen.

Welche Vorschläge unterbreitet die Ausstellung zum Moor- und Klimaschutz?

Die Ausstellung zeigt verschiedene Möglichkeiten, wie sich nasse bzw. vor allem wiedervernässte Flächen nutzen lassen: energetisch, zur Baustoffgewinnung oder für die Lebensmittelproduktion. Die Umstellung einer entwässernden Moornutzung zur Paludikultur geht mit der Anhebung der Wasserstände im Moor einher. Allein das reduziert bereits die Treibhausgas-Emissionen! Darüber hinaus können durch die Substitution fossiler Energieträger weitere Emissionen eingespart werden. Also eine Win-Win-Situation. Ein konkretes Beispiel veranschaulicht das Landschaftsmodell unserer Ausstellung: Nebeneinander zeigte es Maisanbau auf trockener Fläche und die „Paludiraupe“ bei der Ernte auf einer Nasswiese. Die nachwachsende Biomasse wird im lokalen Heizwerk für die Wärmeversorgung nahegelegener Wohneinheiten genutzt. Wir zeigen aber auch Produkte, die sich mit Paludikultur herstellen lassen: eine Dämmplatte aus Rohrkolben, Pellets aus Seggenheu, neue Substratmischungen aus Torfmoos-Biomasse oder leckere Cranberry-Säfte und Süßigkeiten.

Wer steht hinter dem „MoorDialog“ und was sind seine Ziele?

MoorDialog ist ein Projekt des Greifswald Moor Centrums, das wiederum eine Kooperation der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, der Michael Succow Stiftung zum Schutz der Natur und des Institutes für Dauerhaft Umweltgerechte Entwicklung von Naturräumen der Erde (DUENE e.V.) ist. Durch das Vernetzen von Akteuren, zielgerichtete Kommunikation und Wissenstransfer vermittelt der MoorDialog, welche Bedeutung Moore bei der Reduktion von Treibhausgasemissionen spielen – und welchen Beitrag sie zu den Klimaschutzzielen der Bundesregierung leisten können. Auf Bundes-, Landes- und Kommunalebenen soll er Aktivitäten und Akteure zu Klimaschutz durch Moorschutz zusammenführen und der Öffentlichkeit, insbesondere Multiplikatoren aus Kommunen, Wirtschaft und Gesellschaft, entsprechende Information verfügbar machen. Das Greifswald Moor Centrum arbeitet an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Politik und Praxis in allen Moorfragen – lokal und weltweit. Wir sind 50 Moorkundler aller Art an einem Standort. Das Centrum bündelt Expertisen über Moore: von der Arktis bis nach Feuerland, vom Pollenkorn bis zum transkontinentalen Zugweg von Moorvögeln, vom Bürgerforum bis zur Vertragsstaatenkonferenz.

Weitere Infos unter www.greifswaldmoor.de; www.moordialog.de und www.moorwissen.de

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