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Ausgabe 3/2018

Erfolgreich bewirtschaftet

Artenreiche Pfeifengraswiese bei Potsdam neu entdeckt

Für das Natura 2000-Gebiet Obere Wublitz wird derzeit ein Managementplan erstellt. Im Rahmen dieser Arbeiten untersuchte ein Botaniker auch die dortigen Wiesen. Soweit kein ungewöhnliches Vorgehen. Bemerkenswert ist jedoch, dass er bei seinen Kartierungen auf eine Pfeifengraswiese stieß, die zum Zeitpunkt der Meldung als Natura 2000-Gebiet noch nicht bekannt war. Zwar wusste man auch damals schon von Pfeifengraswiesen im Gebiet, doch diese waren an anderen Stellen gelegen. Die neu entdeckte Pfeifebgraswiese scheint sich erst durch die gute Bewirtschaftung während der vergangenen Jahre entwickelt zu haben.

Die neu entdeckte Pfeifengraswiese befindet sich auf einer Fläche, die lange Zeit ungenutzt und dadurch verschilft war. Erst vor zwölf Jahren hatte der ansässige Landwirt damit begonnen, die Feuchtwiese wieder als extensives Mähweide zu nutzen. Durch die Wiederaufnahme der Nutzung entstand eine artenreiche Feuchtwiese, die nun dem Lebensraumtyp „Pfeifengraswiesen auf kalkreichem Boden, torfigen und tonig-schluffigen Böden“ entspricht. Bei den Untersuchungen wurden unter anderem die wertgebenden Arten Pfeifengras, Färberscharte, Blutwurz und Schmalblättriges Wollgras entdeckt. Es ist zu vermuten, dass die Samen dieser Pflanzen von angrenzenden Flächen eingewandert sind oder im Boden überdauert haben.
Gemeinsam mit dem Botaniker, Vertretern des ausführenden Planungsbüros, der Unteren Naturschutzbehörde und der Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg wurde die Fläche im Mai 2018 begangen. Auf der Exkursion war es möglich, die wertvollen Arten der Pfeifengraswiese zu bestaunen und zu erfahren, wie es der Landwirt schaffte, die Fläche naturschutzfachlich aufzuwerten: Durch einen Wechsel aus Beweidung mit Galloway-Rindern und Mahd wurde das Schilf von ihm zurückgedrängt. Die konkurrenzschwachen Arten der Pfeifengraswiesen konnten sich nun behaupten.

Das Gebiet

Das Natur 2000-Gebiet Obere Wublitz befindet sich nordöstlich von Potsdam zwischen Uetz und Marquardt. Es umfasst die Niederungen der Wublitz, einem Zulauf der Havel. Dessen große Verlandungsbereiche mit Röhrichten, Feuchtwiesen, Pfeifengraswiesen und Erlenbrüchen bieten unterschiedlichsten Arten Lebensraum. Auf den Pfeifengraswiesen wächst die in Brandenburg stark gefährdete Färberscharte. In den flachen Uferbereichen der Wublitz gedeihen Schwimmblattgesellschaften mit Weißer Seerose. In den Erlenwäldern kommen vom Aussterben bedrohte Schneckenarten wie die Bauchige Windelschnecke vor. Das Gebiet besitzt zudem eine große Bedeutung als Lebensraum für zahlreiche gefährdete Vogelarten, beispielsweise für Trauerseeschwalbe und Kiebitz, außerdem ist es ein bedeutender Rastplatz für Zugvögel. Das Beispiel zeigt, welch positive Effekte innerhalb vergleichsweise kurzer Zeiträume durch angepasste Landnutzung möglich sind.

 

Ninett Hirsch
Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg
Weitere Infos zum Gebiet unter: www.natura2000-brandenburg.de

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