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Ausgabe 3/2018

Eintauchen in klares Wasser

Der Große Zeschsee im Süden von Berlin

Der erste Schritt wird noch vorsichtig gesetzt– schließlich gilt es auch, die Wassertemperatur zu erfühlen. Doch schon die nächsten können entspannt auf gut erkennbaren Seegrund platziert werden. Sand, Steine, Muscheln, kleine Fische – es gibt vieles zu sehen. So ist es ein einmaliges Erlebnis, im kühlen und klaren Nass des Großen Zeschsees zu baden und zu schwimmen – vielleicht zum krönenden Abschluss einer Wanderung?

Seen gibt es viele in Brandenburg – die Mark ist das seenreichste Bundesland Deutschlands. Im Sommer laden sie zum Abkühlen, Baden und Schwimmen ein. Manche Gewässer sind so klar, dass sie sogar zum Tauchen locken. Die meisten der klaren Seen liegen im Norden Brandenburgs, doch auch südlich der Hauptstadt gibt es eine beliebte Adresse: den Großen Zeschsee. Das zu großen Teilen unter Schutz stehende Gewässer bietet seinen Besuchern das ganze Jahr über einmalige Eindrücke und Überraschungen aus der Natur. Im Sommer sollte man sich ein Bad in dem rund 30 Kilometer südlich von Berlin auf halber Strecke zwischen Wünsdorf und Baruth gelegenen See nicht entgehen lassen. Wer einen Schnorchel besitzt, dem wird im Wasser gewiss nicht langweilig.
Zesch liegt am Rand – und das im doppelten Sinn. Zum einen befindet sich der Ort abseits der großen Verkehrsströme. Keine große Straße und kein stark befahrener Schienenstrang durchschneiden ihn oder die unmittelbare Umgebung. Lediglich eine Straße führt in die abgeschiedene Siedlung, die an das ehemalige Sperrgebiet Wünsdorf grenzt. Diese ruhigen Bedingungen boten der Natur Möglichkeiten, sich ungestört zu entwickeln.
Zesch liegt aber an noch einem Rand – nämlich am Rand der einstigen Eiszeitgletscher. Sowohl der See als auch das Landschaftsrelief verdanken ihnen ihre Entstehung. Vom Eis aufgetürmte und zusammengeschobene Hügel grenzen im Osten, Süden und Südwesten an den Ort und den Großen Zeschsee. Im Westen und Norden ist es dagegen flaches Land.


Natur

Das klare Wasser macht den Großen Zeschsee zu einer Rarität für das südliche Umland. Mehrere natürliche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit das Wasser eines Sees überhaupt klar sein kann. Zunächst muss dessen Volumen groß sein, er muss also eine vergleichsweise große Tiefe haben. Gleichzeitig darf der Eintrag von Nährstoffen aus der Umgebung nur gering sein, im besten Fall fällt lediglich Laub aus den umgebenden Wäldern auf den See. Ebenfalls sehr günstig auf die Wasserqualität wirkt sich das Vorhandensein von Quellen in Seenähe aus. Sie führen dem See stets sauberes, nährstoffarmes Wasser zu. Quellen können aber nicht nur am Rand eines Sees liegen, bisweilen befinden sie sich auch unterhalb der Wasseroberfläche und sind für den Beobachter unsichtbar. Sichtbar ist hingegen das Leben im Wasser. Zu den bemerkenswerten Besonderheiten des Großen Zeschsees gehört die Sternarmleuchteralge. Wie alle Armleuchteralgen sind auch Sternarmleuchteralgen zerbrechliche, filigrane Gewächse, die nur in klarem Wasser gedeihen können. Das klare Wasser lockt auch Tiere an. Von Herbst bis Frühjahr können am Zeschsee Trupps von Schellenten beobachtet werden. Mit ihren weißen Gefiedern sind die Tiere gut auf der Wasserfläche auszumachen. Einige Schellenten nutzen die Seen im Sommer auch zum Brüten. Kurios ist ihr Nistplatz: Wenig typisch für Enten ist er hoch oben in Baumhöhlen gelegen. Da sie diese nicht selber anlegen können, sind sie auf bereits vorhandene Höhlen angewiesen. Doch nur eine Spechtart zimmert Höhlen in der erforderlichen Größe: der Schwarzspecht. Schellenten sind damit auf die Anwesenheit von Schwarzspechten angewiesen – es sei denn, Naturschützer bieten ihnen alternativ geeignete Nistkästen an. Das Leben junger Schellenten beginnt mit einem mutigen Sprung auf den Waldboden. Dann heißt es für sie, möglichst schnell aufs Wasser zu gelangen. Dort tauchen Schellenten nach Schnecken, kleinen Fischen, Insekten oder auch Pflanzen – mehrere Meter tief und bis zu einer halben Minute lang. Auch Haubentaucher brüten auf den Zeschseen und profitieren von der guten Unterwassersicht. Nicht nur aus Naturschutzsicht bemerkenswert sind die an den Zeschseen vorkommenden Fischotter.
In weiten Teilen sind die Übergangsbereiche von Wasser zum Land hier noch naturbelassen. Schwimmblattzonen, Röhrichte, Gebüsche und Bruchwälder bieten vielen selten gewordenen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum. Im Gegenzug tragen diese wiederum dazu bei, die Wasserqualität zu erhalten – ein Kreis schließt sich.

Tourenvorschlag

Für eine Wanderung um die Zeschseen bietet sich der Dorfplatz von Zesch als idealer Ausgangspunkt an. Infotafeln geben einen Überblick über den Ort und die Umgebung, Hunger und Durst können gestillt und Fahrrad oder Auto unweit der Bushaltestelle abgestellt werden. Vom Dorfplatz ist es nur ein kurzes Stück durch den duftenden Kiefern-Laubmischwald zum wiederbelebten Weinberg, der unterhalb des weithin sichtbaren Feuerwachturms liegt. Am Weinberg locken Bänke zum Pausieren, Beobachten und Lauschen. Am seinem Fuß leiten urige Eichen und zwei riesige Esskastanien zum umgebenden Wald über. In Nachbarschaft der Rebenkultur befindet sich die Ruine der ehemaligen Weinpresse. Vom einstigen Fachwerkbau sind allerdings nur spärliche Backsteinreste des Kellers erhalten. Mit den umgebenden urigen Eichen geben sie ein romantisches Bild ab.
Von der Weinpresse führt ein anfangs schmaler Wanderweg in die weiten Kiefern-Laubmischwälder und zum Großen Zeschsee hinab. Hier und da sind Eichen eingestreut – von Natur aus würden sie den Wald beherrschen. Im Unterwuchs sind im Sommer die auffälligen Blüten des Roten Fingerhuts zu sehen. Kurz am Campingplatz entlang, verläuft der Weg um die Süduferspitze des Großen Zeschsees – inmitten dichten Erlenbruchwalds, in dem an einigen Stellen Gemeine Eschen das Austreten von Quellwasser anzeigen. Einen kleinen Zufluss überquert, zieht sich der Weg auf zeitweilig morastigem Boden am Rand der eiszeitlichen Hügel entlang. Im Frühjahr sind vereinzelt Sumpfdotterblumen zu sehen, ebenso Sauerklee und Buschwindröschen. Am Stichweg zum Solms-Gedenkstein vorbei, ist Wiesenland erreicht. Im Frühjahr ist es zeitweilig überflutet, nur die blühenden Sumpfdotterblumen schauen dann heraus. Später im Jahr leuchten dann die zart violetten Blüten der Kuckuckslichtnelken hervor.
Am Ende ist die Landstraße von Zesch nach Lindenbrück erreicht. Wer abkürzen möchte, kann nun direkt in den Ort zurücklaufen und passiert die an der Straße liegende Fischerei. Mit gänzlich anderen Landschaftseindrücken wartet alternativ der zweite Teil der Wanderung auf, der im großen Bogen um den Kleinen Zeschsee verläuft. Wer diesen Weg wählt, geht zunächst über flaches Wiesenland auf den Rand der Niederung zu. Dort kreuzt ein Fahrweg, der am Sperrgebiet Wünsdorf entlangführt. Nun ist bald der Kleine Zeschsee erreicht, der mit einer zugänglichen Uferstelle aufwartet. An einer Reihe von Wochenendhäuschen vorbei geht es dann bis zu einer etwas abseits stehenden gigantischen Eiche. Dann ist auch schon gleich der Dorfplatz von Zesch wieder erreicht. Wer nun nach einer Abkühlung verlangt, braucht nur den Hinweisen zur Badestelle zu folgen. Sie befindet sich unweit des Ortes.

Carsten Rasmus

 


Weinbau


Weinbau blickt in Brandenburg auf eine Jahrhunderte währende Tradition zurück – wobei es einst nicht unbedingt wohlschmeckende Tropfen waren, die hierzulande gekeltert wurden. Vielmehr handelte es sich oft um einen dünnen und bisweilen wenig süßen Wein. „Märkische Erde Weinerträge geh’n durch die Kehle wie ‘ne Säge“ wurde früher abschätzig vom märkischen Wein gesprochen. Allerdings: Der Wein war eine Alternative zu möglicherweise verschmutztem Trinkwasser.
Weinimporte aus anderen Teilen Deutschlands und Europas und eine Klimaverschlechterung im 18. Jahrhundert ließen den Weinbau in Brandenburg fast völlig erlöschen. In Zesch, wo unweit des Ortes ein Hügel beste Anbaubedingungen bietet, hatte die Zucht der Reben bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts Tradition. Seit einigen Jahren hat eine Handvoll Traditionsbewusster den Weinbau wiederbelebt. Auf einem Teil der einstmals bewirtschafteten Fläche wachsen daher nun wieder Weintrauben heran. Interessierte können bei Arbeitseinsätzen oder bei der Weinlese helfen oder sich bei Weinfesten von der Idee des Weinbaus in Zesch begeistern lassen. Gekeltert wird der Wein übrigens in Jessen.

Geologie

Dass Brandenburg einst von Gletschern bedeckt war, ist kein Geheimnis. In der Gegend um Zesch blieben die aus Norden vorrückenden Eismassen vor rund 20.000 Jahren für längere Zeit stehen. Vor dem Eis türmten sich damals Sand und Geröll zu einer Endmoräne auf. Bedingt durch den langen Stillstand des Gletschers, dessen Rand sich immer wieder etwas vor- und zurückbewegte, wurden die Massen besonders schroff aufgetürmt. Mit dem endgültigen Zurückschmelzen des Eisrandes sammelte sich Wasser zwischen Gletscher und Endmoräne – später sollte daraus der Große Zeschsee entstehen. Heute liegt er eingebettet inmitten der Moränenhügel . Anders verhält es sich beim Kleinen Zeschsee, der sich in einer flachen, durch Schmelzwässer geformten Niederung befindet – ähnlich wie das bekannte Baruther Urstromtal, nur deutlich kleiner. Die Niederung wird vom Mühlenfließ durchströmt, welches das Wasser der Zeschseen heute gen Wünsdorf und Zossen abführt.

 

Links

www.weinberg-zesch.de

 

Anreise

Bus + Bahn: Regionalbahn bis Wünsdorf und weiter mit Bussen 770 und 712 nach Zesch (Dorf).
Auto: B96 (Berlin – Baruth), südlich von Neuhof abbiegen Richtung Lindenbrück und mit den Hinweisen nach Zesch.
Fahrrad: Von Wünsdorf über Funkenmühle nach Lindenbrück und von dort über Sandweg (Zescher Straße) oder Landstraße (Lindenbrücker Straße) nach Zesch.

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