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Es könnte so einfach sein

Gewässerschutzstreifen mit maximaler Wirkung

Nur sechs Prozent der brandenburgischen Fließgewässer sind nach Definition der Wasserrahmenrichtlinie in einem guten ökologischen Zustand und damit als Habitat für Wasserinsekten geeignet. Um dem Insektensterben Einhalt zu gebieten, wäre die Anlage von Gewässerrandstreifen ein kleiner, aber effektiver Schritt. Doch das scheint in Brandenburg eben doch nicht so einfach zu sein.

Ein wesentlicher Grund für die immer noch schlechte Wasserqualität sind stoffliche Einträge aus der Landwirtschaft. Dabei könnten gerade diese durch die Einrichtung von Gewässerrandstreifen erheblich reduziert und die Gewässergüte verbessert werden.
Gewässerrandstreifen tragen wesentlich zur Erhaltung und Verbesserung der Wasserqualität in unseren Bächen, Flüssen und Seen, aber auch zur Wasserspeicherung sowie zur Verminderung von Stoffeinträgen bspw. flächendeckende Düngung oder Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln bei.
Derzeit dürfen Düngemittel, insbesondere Stickstoff und Phosphor, noch bis auf einen Meter an die Böschungskante von Fließgewässern ausgebracht werden, für Pestizide gelten unterschiedliche Anwendungsbestimmungen. Das ist geradezu dürftig und entfaltet kaum Schutzeffekte.
Studien belegen, dass Gewässerrandstreifen den Eintrag von Schadstoffen in Gewässer nachhaltig vermindern können. Dazu müssen sie allerdings eine gewisse Breite haben. Ihre maximale Wirksamkeit erreichen sie allerdings erst ab einer Breite von zehn Metern. Dann sind sie aber in der Lage, bis zu 90 Prozent der gewässerschädigenden Stoffe zurückzuhalten.
Eine gesetzliche Festlegung von zehn Meter breiten Gewässerrandstreifen wäre ein wichtiger Beitrag, um den nach der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (EU-WRRL) geforderten guten chemischen Zustand der Gewässer zu erreichen. Davon würden beispielsweise viele wassergebundene Insekten wie Köcherfliegen, Eintagsfliegen und Steinfliegen profitieren, die auf sauberes Wasser in Flüssen und Seen angewiesen sind. Als positiven Nebeneffekt könnte damit auch das wachsende Konfliktpotential mit dem Biber gemindert und naturnahe, sich ohne menschliche Hilfe entwickelnde Uferstrukturen gefördert werden.
Die Chance, in dieser Frage einen wesentlichen Schritt in die richtige Richtung zu tun, hat die brandenburgische Landesregierung mit der Novellierung des Brandenburger Wassergesetzes zu Beginn des Jahres 2017 allerdings vertan. Mit dem nun verabschiedeten Gesetz werden zunächst in einem aufwändigen Verfahren freiwillige Vereinbarungen mit Eigentümern und Nutzern angestrebt. Ein Aufwand, der vom Umweltministerium kaum zu leisten ist und zudem erhebliche Kosten produziert und daher bisher noch nicht (Stand 09/2018) zum Erfolg führte. Erst wenn eine freiwillige Vereinbarung nicht zustande käme, könnte nach Erfüllung weiterer Voraussetzungen ein Gewässerrandstreifen von fünf Metern Breite per Verordnung festgelegt werden.
Andere Bundesländer sind da durchaus fortschrittlicher. So haben Sachsen, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und auch Berlin bereits breitere Gewässerrandstreifen und das Verbot der Verwendung von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln in ihren Landeswassergesetzen rechtlich festgeschrieben.

Manuela Brecht
NABU Brandenburg

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