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Vielfalt erzeugen

Ein Nachbarschaftsprojekt schafft Fakten gegen das Insektensterben

Wildbienen wie die Fuchsrote Sandbiene (Andrena fulva) haben es nicht leicht im urbanen Raum. Zunehmende Flächenversiegelung und Baumaßnahmen zerstören ihre Lebensräume. Hinzu kommt die stark gewachsene Zahl der Hobbyimker, deren Honigbienenvölker die Konkurrenz, um die wenige verbliebene Nahrung zusätzlich verschärfen.

„Blühende Kieze – Für Bestäuber und Mensch“ heißt ein Projekt der ehrenamtlichen Bildungsinitiative Your little Planet. Gemeinsam mit Nachbarn aus dem Berliner Stadtteil Lankwitz entstehen auf zwei zuvor nur wenig genutzten, strukturarmen Flächen an der Gallwitzallee Ecke Mühlenstraße auf rund 2.000 Quadratmetern neue Blühflächen die wissenschaftlich durch die TU Berlin begleitet werden. Die Aktiven wollen neben der Umweltbildung ein Zeichen gegen das Insektensterben setzen, aber auch für mehr Initiative in der Nachbarschaft werben. Ihr Hauptanliegen ist aber die Steigerung des Nahrungsangebots für bedrohte Bestäuber wie Wildbienen, Schmetterlinge, Schwebfliegen, Grabwespen und viele andere Insektenarten.
Die Blühfläche soll aber nicht nur Nahrung liefern, sie soll von den Bestäubern auch als Teillebensraum genutzt werden können. Mit einem ersten Konzept ließen sich die Mitarbeiter des Grünflächenamtes Steglitz-Zehlendorf leicht überzeugen, die Detailplanung konnte beginnen. Die Auswahl der Pflanzenarten erfolgte unter Berücksichtigung verschiedener Aspekte. Standorteigenschaften, wie Bodentyp, Sonneinstrahlung, Beschattung durch umliegende Strukturen, aber auch Nektar- und Pollengehalt der Pflanzen, Blühzeitpunkt und -farbe sowie eine höhere Trockenverträglichkeit spielten bei der Auswahl der Saaten für die Mischung eine wichtige Rolle. Ausgebracht wurde nur zertifiziertes, aus der Region stammendes Saatgut sowie aus dem Gebiet Berlin stammende Pflanzen. Die Saatmischung enthält über 35 verschiedene regionale Wildkräuter und Stauden aus dem Nordostdeutschen Tiefland, die über die Firma Rieger & Hofmann GmbH bezogen wurde. Hinzu kamen Arten, welche in Berlin mittlerweile als "gebietseigen" gelten und oft sogar einen Gefährdungsstatus haben.
Die Zeitplanung für Flächenumbruch, Aussaat und Mahdplan erfolgte in Absprache mit dem Revierleiter des Gemeindepark Lankwitz. Aufgrund des niederschlagsarmen Jahres 2018 legte das Grünflächenamt den Termin für den Umbruch der Flächen auf Anfang Oktober. Mit Hilfe von Nachbarn bereitete das Team die Flächen für die Aussaat vor: zunächst auf 1.000 Quadratmetern Mitte Oktober. Der späte Winter begünstigte die Keimung, so dass sich Ende November schon erste Blattrosetten etablierten. Die zweite Fläche mit ebenfalls knapp 1.000 Quadratmetern wurde Ende Februar 2019 umgebrochen, vorbereitet und mit Nachbarn als Frühjahrsaussaat im März fertiggestellt. Die nächsten Jahre werden zeigen, welche Arten sich durchsetzen und wie die Blühwiesen sich entwickeln werden.
Kathrin und Nicolas Bramke

 


Das Projekt

Die ehrenamtliche Bildungsinitiative „Your Little Planet“ wurde von Nicolas und Kathrin Bramke gegründet. Das Projekt „Blühende Kieze – Für Bestäuber und Mensch“ wird überwiegend durch ehrenamtliche Arbeit finanziert. Ein Großteil der Sachmittel wurde mit Geldern aus dem Berliner Fördertopf FEIN (Freiwilliges Engagement in der Nachbarschaft) sowie aus Crowdfunding finanziert.
www.yourlittleplanet.org, E-Mail: info@yourlittleplanet.org

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