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Vorsicht Winterschlaf

Störungen im Winterquartier können lebensbedrohliche Folgen haben

Wenn das Jahr sich seinem Ende nähert, die Tage deutlich kürzer werden und die Tempe-raturen zunehmend im einstelligen Bereich verharren, beginnt für die heimische Tierwelt eine harte Zeit. Nahrungsknappheit, Kälte und winterliche Witterungsunbilden verlangen ihnen alles ab, um in der kalten Jahreszeit zu überleben. Manche Arten bekamen erst in den vergangenen Jahrzehnten einen wissenschaftlich anerkannten Status: So werden beispielsweise seit den 1960er Jahren Graues Langohr Plecotus austriacus und Braunes Langohr P. auritus als eigene Arten (wieder) anerkannt. Und seit den 1980er Jahren forschten Experten über die Verschiedenheiten innerhalb der Zwergfledermäuse. Heute werden Zwergfledermäuse und Mückenfledermäuse nach molekulargenetischen Untersuchungen als eigene Arten unterschieden.

Seit dem Spätsommer sind Eichhörnen emsig dabei, sich für den Winter zu bevorraten. In Bäumen – aber auch im Boden – legen sie ihre Nahrungsdepots an, um für die kom-menden kargen Monate gerüstet zu sein. Oft finden sie ihre Verstecke allerdings nicht wieder, was wiederum den Förster freut. Aus den vergessenen Samen erwachsen ohne sein Zutun neue Bäume. Den hübschen Nagern gleich macht es übrigens der Eichelhäher. Auch er trägt dazu bei, dass sich der alte Spruch „Gar lustig hat’s die Forstpartie – der Wald, der wächst auch ohne sie“ immer wieder bewahrheitet.

Wer nicht schläft, muss fressen
Eichhörnchen gehen die Winterzeit eher ruhig an und machen es sich in einem ihrer Kobel bequem. Wie Dachs und Maulwurf verfallen sie nicht in einen Winterschlaf, sie halten Winterruhe. Ihre Körperfunktionen sind zwar etwas gedrosselt, aber hin und wieder werden sie wach, um dann Nahrung zu sich zu nehmen. Während das Eichhörn-chen dazu sein Quartier verlassen muss, hat es der Maulwurf in seiner Unterwelt äu-ßerst bequem. Er hat gewissermaßen immer Frischfleisch zur Verfügung. Das Nah-rungsdepot des fleißigen Erdarbeiters ist mit Regenwürmern gefüllt, denen er die vor-deren Segmente entfernt hat, um sie am Leben zu halten aber dennoch an der Flucht zu hindern.

Auf Sparflamme durch den Winter
Scheinbar gut haben es jene Spezies, die den Winter in geeigneten Quartieren einfach verschlafen. Zu den Tieren, die in einen festen Winterschlaf fallen, gehören unsere allbe-kannten Igel sowie die Siebenschläfer, Haselmäuse, Fledermäuse und Feldhamster. Un-terbrochen von gelegentlichen kurzen Aufwachphasen, in denen sie Kot und Urin abset-zen, schlafen diese Tiere von Herbst bis Frühjahr. Ihre Körperfunktionen sind auf ein Minimum reduziert, gleiches gilt für ihre Körpertemperatur. Mit Ausnahme des in Bran-denburg inzwischen ausgestorbenen Feldhamsters, zehren diese Tiere während des Winters ausschließlich von ihren Fettpolstern. Hamster greifen während der Wachpha-sen auf ihre Vorräte zurück, die sie in speziellen Kammern ihrer unterirdischen Bauten eingebunkert haben. Dort verbringen die bunten Nager ab Ende August das nächste hal-be Jahr. Kurz nach ihnen beginnen die Siebenschläfer ihren Winterschlaf. In sorgfältig angelegten Quartieren verbringen sie in Erd- und Baumhöhlen – wie könnte es anders sein – gute sieben Monate. Auch für Fledermäuse ist die insektenarme Zeit des Winters die Periode des Winterschlafs. Je nach Art ziehen sie sich dafür in frostfreie Höhlen, Kel-ler oder alte Bunkeranlagen, aber auch in Mauerspalten oder Zwischenräume von Holz-stapeln zurück. Vorraussetzung ist allerdings stets eine relativ hohe Luftfeuchtigkeit im Fledermaus-Winterquartier.
Unser wohl bekanntester Winterschläfer dürfte aber der Igel sein. Seit einigen Jahren ist die Art einem regelrechten Aktionismus ausgesetzt, der mittlerweile Kultstatus erlangt hat. Gemeint ist das Einsammeln vermeintlich untergewichtiger Jungtiere und deren Unterbringung in sogenannten Igelstationen, wo sie mehr oder weniger fach-, aber ganz bestimmt nicht artgerecht, über den Winter gebracht werden. Igel, die in freier Natur überwintern konnten, suchen sich im späten Herbst ein geeignetes Quartier, beispiels-weise in größeren Reisig-, Laub-, oder Komposthaufen. Dort verschlafen sie dann den Winter bis zum Frühjahr, wobei sie ihre Körperfunktionen auf etwa zwei Prozent redu-zieren.
Noch extremer überwintern wechselwarme Arten, also die Amphibien und Reptilien sowie Insekten. Ihre Körpertemperatur ist abhängig von der jeweiligen Umgebungstem-peratur und kann von den Tieren nicht reguliert werden. Den Winter verbringen sie käl-testarr in frostfreien Erdhöhlen, Totholz oder Komposthaufen, manche Frösche auch auf dem Gewässergrund.

Gefahr durch Störung
Störungen jeglicher Art können für Winterschläfer fatale Folgen haben. Jedes Erwachen bedeutet zusätzlichen Energieverbrauch, geht an die Fettreserven und kann letztlich den Tod für das betreffende Tier bedeuten. Selbstredend, dass im Winter mögliche Quartiere wie Totholz und Reisighaufen nicht betreten, weggeräumt oder gar verbrannt werden dürfen. Auch das Umsetzen von Komposthaufen muss im Interesse winterschlafender Bewohner bis zum Frühjahr unterbleiben, ebenso, das „Aufräumen“ unter Sträuchern und Hecken. Die Unsitte, im Herbst oder Frühjahr zusammengeharktes Laub und Reisig zu verbrennen, ist bei vielen Gartenbesitzern leider noch immer weit verbreitet. Abge-sehen von der damit einhergehenden Luftverunreinigung können solche brennenden Gebilde rasch zu Scheiterhaufen werden. Viel besser ist es, Reisig und Laub an einer ge-schützten Stelle im Garten abzulagern und es dort Igel und Co. als Winterquartier anzu-bieten. Wer das Zündeln nicht lassen kann, sollte, sofern dies überhaupt erlaubt ist, zu-mindest das zu verbrennende Gut kontrollieren und vor dem Anzünden umschichten. Das gilt einmal mehr für das Abbrennen sogenannter Herbst- und Osterfeuer, die in na-hezu jeder Gemeinde zu einem jährlichen Ritual geworden sind.

Wolfgang Ewert

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