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Ja zur Zwiebel

Ein Plädoyer für multifunktionale Kleidung

Der Winter steht vor der Tür – und mit ihm stellt sich die Frage nach der richtigen Bekleidung für Erlebnisse in Eis und Schnee. Für Jäger oder Naturfotografen gelten beim Ansitz andere Maßstäbe, doch wer in Bewegung bleibt, braucht in Brandenburg eher keine Alpin-Ausrüstung. Bei der ganzjährigen Arbeit in freier Natur, bei der täglichen Runde mit dem Hund und bei Winterwanderungen vom Flachland bis ins Mittelgebirge konnte ich erproben, was für mich sinnvoll und nützlich ist. Manche Arten bekamen erst in den vergangenen Jahrzehnten einen wissenschaftlich anerkannten Status: So werden beispielsweise seit den 1960er Jahren Graues Langohr Plecotus austriacus und Braunes Langohr P. auritus als eigene Arten (wieder) anerkannt. Und seit den 1980er Jahren forschten Experten über die Verschiedenheiten innerhalb der Zwergfledermäuse. Heute werden Zwergfledermäuse und Mückenfledermäuse nach molekulargenetischen Untersuchungen als eigene Arten unterschieden.

Besonders auf längeren Touren sollte man genügend Kleidung mitnehmen, um in den Pausen noch eine zusätzliche wärmende Schicht anziehen zu können. Nach schweißtreibender Bewegung friert man sonst schnell in der nassen Kleidung. Besser als dicke Daunenjacken sind daher mehrere dünnere Schichten im Zwiebel-Prinzip. Am besten bewährt hat sich Kleidung, die sich schnell an- und ausziehen oder über Reißverschlüsse regulieren lässt.

Universaltalent Merino-Wolle


Schichten, die nah am Körper getragen werden, sollten atmungsaktiv sein und Feuchtigkeit sowohl absorbieren als auch weiterleiten können. Altbewährt ist das Naturmaterial Wolle, vor allem die des Merino-Schafes. Deren besonders weiche Wollfaser kann bis zu 35 Prozent ihres Gewichts an Feuchtigkeit aufnehmen, ohne sich feucht anzufühlen. Damit behält sie ihre thermoregulierende Funktion länger als vergleichbare Kunstfasern und auch länger als andere Naturmaterialien. Die Eigenschaften der Merino-Wolle kommen besonders dann zum Tragen, wenn man in der Bewegung schwitzt, anschließend aber länger stehen bleibt. Wichtig für Menschen mit sensibler Haut: Es gibt große Unterschiede in der Materialqualität, die sich in teils kratziger Beschaffenheit äußern. Es lohnt sich unter Umständen, mehrere Hersteller auszuprobieren!
Wolle jeglicher Art eignet sich auch für die weiter außen liegenden Kleidungsschichten. Wärmende Zwischenschichten, gestrickt oder als Fleece verarbeitet, gibt es in hochwertigen Ausführungen. Hier sind aber auch Kunstfasern eine gute Alternative. Diese können zwar kaum Wasser aufnehmen, trocknen dafür aber schnell. Zudem sind sie leicht und günstig.
Ich trage Shirts und Leggings aus Merinowolle von Icebreaker und Dilling.

Der Wetterschutz


Schutz vor Regen, Schnee und Wind bietet die äußerste Bekleidungsschicht. Da bereits die inneren Schichten die Thermoregulation übernehmen, reicht an dieser Stelle eine ungefütterte Jacke. Gut geeignet sind solche mit einer atmungsaktiven Membran, die Feuchtigkeit von innen nach außen lässt, aber nicht umgekehrt. Wer auf Naturmaterialien setzt, findet in Loden- oder gewachsten Baumwolljacken universelle Klassiker, die allerdings nur bei kurzen Schauern oder Schneefall wasserdicht bleiben. Einen großen Vorteil haben sie aber: Kein Rascheln, das Tiere vertreibt und leise Geräusche übertönt. Nicht umsonst werden solche Jacken vor allem im Jagdbedarf angeboten.

Von Kopf bis Fuß


Über den Kopf verliert der Mensch die meiste Wärme – bei kalter Witterung ist eine Kopfbedeckung daher unverzichtbar. Zwar schützt auch eine winddichte Kapuze vor Wärmeverlust, sie schränkt aber Sichtfeld und Hörvermögen ein. Eine Mütze – ob aus Wolle, Baumwolle oder Kunstfaser ist Geschmackssache – ist die bessere Wahl.
Beim Schutz der Beine kommt man in der nasskalten Jahreszeit mit Jeans nicht allzu weit: Robust sind sie zwar, doch einmal nass, werden sie so bald nicht wieder trocken. Besser sind Hosen aus dünnerem Stoff geeignet, der im Idealfall Nässe schnell wieder abgibt. Besonders robust und seit Jahrzehnten bewährt ist das Kunstfaser-Baumwoll-Mischgewebe “G1000” des Herstellers Fjällräven, das inzwischen viele Nachahmer gefunden hat. Es ist geräuscharm, haltbar und schnell trocknend. Alle Stoffe ab einem Baumwoll-Anteil von etwa 30 Prozent lassen sich mit Wachs imprägnieren und werden dann zumindest wasserabweisend. Kombiniert mit einer darunter getragenen Leggings oder langen Unterhose – am besten aus Merino-Wolle – sind auch tiefe Temperaturen kein Problem.
Mein absoluter Geheimtipp kommt aber den Füßen zu gute: Gummistiefel gehen immer! Sie sind für mich vom Herbst bis zum Frühling das perfekte Schuhwerk für Spaziergänge und Wanderungen bei jedem Wetter. Mit übergroßen Botten aus dem Baumarkt geht das allerdings nicht. Im Jagd- und Outdoorbedarf gibt es jedoch Gummistiefel, in denen der Fuß so gut sitzt, dass mit ihnen auch längere Strecken kein Problem sind. Besonders im Winter sind Stiefel mit flexibler Sohle günstig, da sich in ihnen die Füße beim Gehen stärker bewegen. Das fördert die Durchblutung und beugt kalten Zehen vor. Ist im Schuh noch Platz für dicke Socken oder Füßlinge aus Schafwolle, die gut wärmen und die zwangsläufig anfallende Feuchtigkeit absorbieren (deshalb keine Kunstfaser!), kann nichts mehr passieren. Als Alternative gibt es auch Gummistiefel mit integrierter Fütterung. Die sind dann aber nicht mehr so universell einsetzbar. Naturkautschuk ist für den Winter das beste Material, im Gegensatz zu PVC wird er bei tiefen Temperaturen weder spröde noch hart. Allerdings schlagen sich diese Eigenschaften in einem höheren Preis nieder. Doch die Investition kann sich lohnen: Meine Gummistiefel sind seit sechs Jahren meine treuen Begleiter.
Wer sich mit Gummistiefeln nicht anfreunden kann, schon robuste Wanderstiefel besitzt oder Winterstiefel mit Fütterung vorzieht, kann diese auch mit Gamaschen kombinieren. Sie schützen zuverlässig in nassem Gras und tiefem Schnee oder auf schlammigen Wegen. In einfacher Ausführung gibt es sie schon für wenig Geld, sie sind robust und leicht zu säubern.
Ich trage eine Hose von Fjällräven mit Leggings von Dilling, Gummistiefel von Aigle und Gamaschen von Sea to Summit

Meine Erfahrung hat gezeigt, dass man nicht unbedingt für jede Jahreszeit eine eigene Garnitur an Kleidung braucht. Wer geschickt kombiniert und auf universell einsetzbaren Wetterschutz setzt, kann sich auch bei Schnee und Eis nach draußen wagen.Anne Nöggerath

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