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Von lokal bis landesweit

Die Projektförderung der Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg

Vielfältige Natur- und Kulturlandschaften verleihen Brandenburg seinen besonderen Charme. Die vielen abwechslungsreichen Landstriche, besonderen Lebensräume und faszinierenden Arten zu erhalten, ist für die Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg Aufgabe per Gesetz. Einen Schwerpunkt in diesem Kontext stellt die landesweite Projektförderung der Stiftung dar.

Was sich im Wortlaut des Brandenburgischen Gesetzes mit „Maßnahmen zum Schutz, zur Pflege und zur Entwicklung von Natur und Landschaft durchzuführen, zu fördern oder entsprechende vertragliche Vereinbarungen nach § 3 Absatz 3 des Bundesnaturschutzgesetzes abzuschließen“ noch spröde liest, nimmt in der Natur Gestalt an und entfaltet seine Wirkung. Neue Fledermausquartiere und Nisthilfen für Vögel entstehen, Sölle werden revitalisiert, Bäume gepflanzt, Streuobstwiesen angelegt: Für 30 große und kleine Naturschutzprojekte hat die Stiftung im Jahr 2016 Brandenburg weit rund 1,2 Millionen Fördermittel bereitgestellt. Der größte Anteil, fast eine Million Euro, floss in Vorhaben des Arten- und Biotopschutzes, für Gehölzpflanzungen und Wasserbau. Die Fördermittel entstammen den Ersatzzahlungen der Eingriffsregelung, aber auch Zweckerträgen der Lotterie GlücksSpirale und Geldauflagen. In Summe konnten damit im vergangenen Jahr in ganz Brandenburg Naturschutzvorhaben mit einem Gesamtumfang von 2,8 Millionen Euro begonnen oder weitergeführt werden – aus Sicht der Landesstiftung eine wichtige Investition in die Zukunft Brandenburgs.
Finanziell unterstützt werden nur Projekte im Land Brandenburg. Ist diese Standortvoraussetzung erfüllt, kann jede rechtsfähige Person einen Projektantrag bei der Stiftung stellen. Egal ob Landkreis oder Kommune, Verband oder Verein, Betrieb oder Privatperson.

Neben Maßnahmen zu Schutz, Pflege und Entwicklung von Natur und Landschaft ist die Sicherung von Grundstücken, die für den Naturschutz oder die Landschaftspflege besonders geeignet sind, förderfähig. Ebenso kann eine Förderung von Forschungsprojekten und modellhaften Untersuchungen auf dem Gebiet des Naturschutzes und der Landschaftspflege beantragt werden, sofern diese für das Land Brandenburg von Bedeutung sind.

Für die Arbeit der Stiftung und ihre Projektförderung existieren naturschutzfachliche Schwerpunktthemen. Dazu zählen unter anderem Maßnahmen zum Biotopverbund und zur Minderung der Zerschneidung von Lebensräumen. Daneben sind die Stabilisierung des Landschaftswasserhaushaltes sowie die Renaturierung von Fließgewässern und die Regenerierung von Feuchtlebensräumen, insbesondere von Mooren, zu nennen, aber auch spezieller Artenschutz, insbesondere Amphibienschutz.
Um die Schwerpunkte ihrer Arbeit fachlich zu untersetzen und um bei Bedarf die Förderpraxis für einzelne naturschutzfachliche Themenkomplexe zu erläutern, hat die Stiftung fachliche Rahmenpläne und Leitlinien formuliert. In ihnen werden beispielsweise die speziellen Kriterien für die Auswahl von Förderprojekten formuliert.
Soll die Stiftung Naturschutzvorhaben fördern, muss die Verfügbarkeit der Flächen gesichert sein. Deren Eigentümer und Nutzer müssen der geplanten Maßnahme also bereits zugestimmt haben. Dabei ist zu beachten, dass die Zweckbindungsfrist von geförderten Maßnahmen in der Regel 25 Jahre umfasst. Dauerpflege, das heißt regelmäßig wiederkehrende Maßnahmen, wird nicht finanziert. Ebenfalls nicht förderfähig sind Maßnahmen, zu deren Durchführung eine Rechtspflicht besteht oder Maßnahmen, mit denen bereits begonnen wurde.

Bei der Entscheidung, ob ein Projekt gefördert werden kann, legt die Stiftung großen Wert auf die Nachhaltigkeit des Projektes. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass alle mit einem geplanten Projekt, einer Naturschutzmaßnahme oder einem Flächenerwerb verbundenen Folgekosten gesichert sind. Auf die Gewährung einer Zuwendung durch die Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg besteht im Übrigen kein Rechtsanspruch.
Projektanträge bis 25.000 Euro Fördersumme können zu jeder Zeit bei der Geschäftsstelle der Stiftung eingereicht werden. Wird für ein Projekt eine Zuwendung von über 25.000 Euro beantragt, sollten unbedingt folgende Fristen einhalten: Für die Frühjahrssitzung des Stiftungsrates müssen Förderanträge jeweils bis zum 15. Januar des Jahres in der Geschäftsstelle eingegangen sein, für die Herbstsitzung bis zum 15. Juli.
Einen Überblick über aktuelle Förderprojekte der Stiftung gibt der aktuelle Jahresbericht, der auf Nachfrage zugesendet wird und auf der Webseite www.naturschutzfonds.de heruntergeladen werden kann.

Marc Thiele, Anett Franz
Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg

 

Projektbeispiele

Beispiel 1: Ein Gewässer entsteht

Projekt: Revitalisierung der Schmelzwasserrinne Plänitz
Landkreis: Ostprignitz-Ruppin
Projektträger: Agrargenossenschaft Plänitz eG
Förderung NaturSchutzFonds: 97.422 Euro
Finanziert aus: Ersatzzahlungen
Gesamtprojektkosten: 97.422 Euro
Laufzeit: 2016

Im Naturpark Westhavelland, in der Nähe von Neustadt (Dosse) hat die Agrargenossenschaft Plänitz in einer feuchten Senke ein Kleingewässer angelegt. Das neue Gewässer ist vor allem für Amphibien ein zusätzlicher Lebensraum und ein Trittsteinbiotop für die Verbreitung der Tiere in der Agrarlandschaft.
Entstanden ist die Schmelzwasserinne bei Plänitz während der letzten Eiszeit durch abfließendes Schmelzwasser der Gletscher. Die ursprünglich artenarme feuchte Senke ist dank der Maßnahmen heute ein Kleingewässer mit tiefen und flachen Wasserbereichen. Diese unterscheiden sich beispielsweise in Temperatur und Vegetation – eine wichtige Voraussetzung für die spätere Artenvielfalt. Erste Pflanzen- und Tierarten haben sich bereits angesiedelt. Bald wird man nicht mehr erkennen, dass das Gewässer neu geschaffen wurde.


Beispiel 2: Streuobst für Langerwisch

Projekt: Anlage einer Streuobstwiese in Langerwisch
Landkreis: Potsdam-Mittelmark
Projektträger: Langerwischer Obstgarten e.V.
Förderung NaturSchutzFonds: 20.994 Euro
Finanziert aus: Zweckerträgen der Lotterie GlücksSpirale
Gesamtprojektkosten: 31.200 Euro
Laufzeit: 2016 bis 2019

Der Verein Langerwischer Obstgarten e.V. hat in Langerwisch eine neue Streuobstwiese mit 67 hochstämmigen Obstbäumen angelegt. Die Äpfel, Birnen, Quitten, Pflaumen, Aprikosen, Sauer- und Süßkirschen werden in den kommenden Jahrzehnten viele Früchte tragen. 
Streuobstwiesen sind sehr artenreiche Biotope. Blattwerk, Blüten, Früchte und Baumhöhlen bieten Nahrung und Lebensraum für Insekten, Vögel und kleine Säugetiere. Sie prägen unser Landschaftserleben positiv und gestalten oft einen sanften Übergang vom Siedlungsbereich in die offene Landschaft. Der geschützte Biotoptyp Streuobstwiese soll als wertvolles Kultur- und Naturerbe in der Region um Langerwisch erhalten bleiben. Um die langfristige Pflege der Bäume und Wiesenflächen kümmert sich der Verein.


Beispiel 3: Mehr Wasser im FFH-Gebiet

Projekt: Verbesserung des Landschaftswasserhaushaltes im FFH-Gebiet „Horstfelder und Hechtsee"
Landkreis: Teltow-Fläming
Projektträger: Wasser- und Bodenverband "Dahme-Notte"
Förderung NaturSchutzFonds: 6.125 €
Finanziert aus: Ersatzzahlungen
Gesamtprojektkosten: 6.125 Euro
Laufzeit: 2016

Im Fauna- Flora-Habitat (FFH)-Gebiet „Horstfelder und Hechtsee“ bei Horstfelde hat der Wasser- und Bodenverband "Dahme-Notte" ein kleines Staubauwerk in den Saalowgraben eingebaut und einen Bewässerungsgraben angelegt. So kann Wasser aus dem Saalowgraben über den Bewässerungsgraben in das FFH-Gebiet geleitet werden. Sowohl der Horstfelder See als auch die vielen Wasserflächen des Schutzgebietes erhalten dadurch mehr Wasser.
Der Effekt: Geschützte, wasserabhängige Lebensräume wie Seggenriede, Bruchwälder, Feuchtwiesen und große, zusammenhängende Schilfflächen werden besser mit Wasser versorgt. Daran gebunden ist die Existenz vieler hier lebender Tiere und Pflanzen, zum Beispiel Rohrdommel, Seeadler, Eisvogel und Fischotter. Botanische Besonderheiten sind zum Beispiel Froschbiss und Zungenhahnenfuß.

 

INFO

Mehr als 124 Millionen Euro konnte die Stiftung seit ihrer Errichtung für die märkische Natur, ihre vielfältigen Arten und Lebensräume mobilisieren. Ein Hauptteil der Mittel stammt vor allem aus Ersatzzahlungen der Eingriffsregelung und floss wieder in jene Landkreise zurück, in denen die Zahlungen anfielen. Zusätzlich konnte die Stiftung über 70 Millionen Euro einwerben, hauptsächlich von der Europäischen Union. Diese Mittel kommen nicht nur der biologischen Vielfalt zu Gute, sondern fördern zudem die regionale Wirtschaft. Beides ist gleichermaßen wichtig für die Menschen in Brandenburg.

Ansprechpartnerin:

Anett Franz
Fachbereichsleiterin Fördermanagement
Tel.: 0331 97164780
E-Mail: anett.franz@naturschutzfonds.de

Hinweise zur Projektförderung der Stiftung, die notwendigen Formulare und Referenzprojekte („Projekt des Monats“) finden Sie unter http://www.naturschutzfonds.de/natur-schuetzen/foerdermanagement

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