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Gemeinsame Aufgabe Herdenschutz

NABU-Brandenburg fordert stärkere Unterstützung von Weidetierhaltern

Der Wolf hat sich in Brandenburg etabliert. Für die extensive Weidetierhaltung als besonders naturverträgliche Form der Landnutzung bedeutet dies eine besondere Herausforderung.

Die Rückkehr des Wolfes nach Deutschland ist ein hoch emotionales und dementsprechend viel diskutiertes Thema. Mit den bundesweit meisten Wölfen befindet sich Brandenburg politisch und naturschutzfachlich in einer besonders exponierten Position. Zur Zeit leben in märkischen Gefilden 21 Wolfsrudel und zwei Paare. Nunmehr ist insbesondere die Politik gefragt, praktikable Rahmenbedingungen zu schaffen, die ein Zusammenleben von Weidetierhaltern und Wolf ermöglichen.
Zum Erhalt der strukturreichen Kulturlandschaft Brandenburgs ist die extensive Beweidung der dafür infrage kommenden Landschaftsteile unerlässlich. Umso mehr ist es alarmierend, dass die Weidetierhaltung in Brandenburg, vor allem die Schaf- und Ziegenhaltung, seit Jahren stark rückläufig ist. Wurden im Jahr 2000 noch rund 170.000 Schafe in Brandenburg gehalten, betrug der Bestand 2016 nur noch knapp 75.000. Dies liegt in erster Linie daran, dass im Jahr 2005 die Haltungsprämie für Schafe in Form der Mutterschafprämie weggefallen ist und zusätzlich die Flächenkonkurrenz durch den Anbau von Kulturen wie Mais und Raps zur Energieerzeugung in Brandenburg massiv zugenommen hat.
In der Landschaftspflege trägt die Schafsbeweidung beispielsweise dazu bei, artenreiche Wiesen offen zu halten, die ansonsten in Folge einer natürlichen Entwicklung mit der Zeit zuwachsen und sich schlussendlich zu Wald entwickeln würden. Nur durch ein adäquates Beweidungsmanagement können Trockenrasen, Feuchtwiesen, Niedermoore, Heideflächen und Orchideenwiesen sowie ihre oft einmaligen Tier- und Pflanzenarten erhalten werden. Das betrifft die Oderhänge bei Mallnow oder Lebus mit ihren berühmten Adonisröschen genauso wie die Reicherskreuzer Heide oder die Wiesen bei Altlandsberg mit den größten Vorkommen des seltenen Wiesenknopfes in Brandenburg.
Durch eine naturschutzgerechte, mosaikartige Beweidung entwickelt sich ein vielseitiges Landschaftsbild. Durch die unterschiedlichen Entwicklungsstadien der Flächen verwischen oftmals die Grenzen zwischen Wald- und Offenlandbiotopen. Bei Heideflächen ergibt sich beispielsweise durch die vorhandenen Gehölze, Wald- und Totholzreste eine beeindruckende Strukturvielfalt, die viele verschiedene ökologische Nischen und damit eine hohe Artenvielfalt ermöglicht. Es ist daher nur folgerichtig, dass der NABU das Wirken der Schäfer und Weidetierhalter unterstützt und sich für den Erhalt dieses Berufes stark macht. Der Vorsitzende des NABU- Landesverbands Brandenburg, Friedhelm Schmitz-Jersch, sagt dazu: „Es ist ein ganz wichtiger Aspekt, die Weidetierhalter, die zumeist schon vor der Rückkehr des Wolfes nach Deutschland unter immensem wirtschaftlichem Druck standen, nicht weiter finanziell zu belasten. Die Weidetierhaltung benötigt dringend zukunftsfähige Perspektiven – auch unabhängig von der Wolfsdebatte.“
Fraglos bedeutet die Rückkehr des Wolfes für viele Weidetierhalter zunächst ein Problem. Zusätzliche Belastungen müssen deswegen dringend durch die Politik vermieden oder aufgefangen werden. "Es wäre mehr recht als billig, wenn es aufwandsbezogene Anreize für die ökologischen und gesellschaftlichen Leistungen der Weidetierhalter geben würde, die sie für den Erhalt und die Pflege der Kulturlandschaft Brandenburgs erbringen", erklärt auch Christiane Schröder, die Geschäftsführerin des Landesverbandes. Die bisherigen Lösungsansätze der Politik seien zu kurz gedacht. Beispielsweise werde die Anschaffung eines Herdenschutzhundes subventioniert – jedoch nicht dessen Unterhalt wie Futter, Tierarzt und Betreuung. Hier sei erheblich nachzubessern. An mangelnden finanziellen Mitteln könne es allerdings nicht liegen, betrachte man so manche Ausgabe des Landes. Bei der bis 2020 anstehenden Überarbeitung der Richtlinien zur Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik (GAP) könnte die Politik nun zeigen, dass sie die Probleme der Weidetierhalter und deren enormen Beitrag zum Erhalt einer attraktiven Landschaft und der Artenvielfalt verstanden hat, indem sie deren Leistungen künftig angemessen honoriert.
Der weitverbreiteten Wahrnehmung, dass Naturschützer und Weidetierhalter beim Thema Wolf auf unterschiedlichen Seiten stehen, will der NABU Brandenburg mit einer Kampagne zum Herdenschutz begegnen. In Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft Herdenschutzhunde e.V. und WikiWolves, einer ehrenamtlichen Plattform zur Unterstützung von Weidetierhaltern, soll es noch in diesem Jahr losgehen. Vordergründig geht es allen Beteiligten darum, sowohl die Öffentlichkeit als auch die Politik für die Probleme der Weidetierhalter und deren Leistungen zu sensibilisieren. Durch vielseitige Informationsangebote und das Sammeln von Spenden für betroffene Schäfer soll ein klares Signal an die Politik gesendet werden. Darüber hinaus sind für das erste Quartal 2018 Schulungen für Ehrenamtliche geplant, bei denen Wissen über Schafhaltung in Wolfsgebieten vermittelt und das fachkundige Aufstellen von wolfsabweisenden Weidezäunen trainiert wird. Ziel dieser Weiterbildungen ist es, die bisherige Unterstützung von Weidetierhaltern durch freiwillige Helfer beim Zaunbau zu qualifizieren und zu stärken. Weitere Informationen unter www.nabu-brandenburg.de.


Wolfgang Ewert

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