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Blicke unter die Oberfläche

Unterwasser-Fotoausstellung im Ökowerk

Bis zum 05. November 2017 ist in der Waldhalle des Berliner Naturschutzzentrums Ökowerk noch die Wanderausstellung "Unter der Oberfläche – Bilder aus unserem Wasser" von Daniel Klaucke zu sehen. Ökowerk-Mitarbeiterin Bettina Funke sprach mit dem Fotografen über seine Beweggründe.

Bettina Funke: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, in 15 Spots vom Thüringer Wald bis zur Ostseeküste unter die Oberfläche zu schauen?
Daniel Klaucke: Wer von uns möchte nicht unter die Oberfläche sehen können. Das ist durchaus metaphorisch gemeint. In bestimmten Bereichen kann man sich den Zugang erarbeiten. Ich bin in der DDR aufgewachsen, in Punkto Umwelt war die sehr widersprüchlich. In den 1980er Jahren waren viele Wälder durch sauren Regen in schlechtem Zustand. Viele Flüsse wurden als „Abwasserkanal“ genutzt. Das wirkte sich auch auf die Ostsee aus, in die aber auch westdeutsche Bundesländer Nährstoffe und Chemikalien einleiteten. Es gab aber auch Oasen, deren Wasser man ohne Bedenken trinken konnte – beispielsweise einen See, an dem ich in meiner Kindheit viel Zeit verbracht habe. Wie aber haben sich diese Gewässer seitdem verändert? Dieser Frage wollte ich nachgehen.

Warum war eine Sichttiefe von mindestens drei Metern für die Auswahl der Gewässer ausschlaggebend?
Das schien mir ein praktikabler Wert für aussagekräftige Fotografie zu sein. In Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern wird er von einigen Gewässern erreicht, obwohl die meisten nur Sichtweiten unter zwei Metern aufweisen. Dort lässt sich die Räumlichkeit im Wasser dann nicht so gut erleben. In Flüssen werden meistens viele Schwebstoffe aufgewirbelt. Das Bild der Äsche entstand in der Schwarza, einem kleinen, sehr schnell fließenden Fluss. Da wirbelt alles herum. Bei meinem Projekt ging es mir aber vor allem um die Eutrophierung, also die Trübung des Wassers durch Nährstoffe.

Gibt es ein Erlebnis, das Ihnen während der Tauchaktionen besonders im Gedächtnis geblieben ist?
Spannend ist es, in der Ostsee zu tauchen. In der Nähe von Rerik tauchte ich zehn bis 15 Minuten über hellem Sandboden. Es herrschte Leere, nicht einmal eine Ohrenqualle trieb an mir vorbei. In einer sich kaum ändernden Tiefe von sechs bis sieben Metern sah ich nur hin und wieder mit Miesmuscheln bewachsene Muschelbänke. Plötzlich lugte mir aber aus dem Sand ein Augenpaar entgegen. Es war ein Steinbutt, der sich für einige Minuten aus nächster Nähe fotografieren ließ, bevor dann wie ein Vogel „davonflog“.

Wie kam Ihnen die Idee zur Ausstellung?
Es war mir wichtig, eine Leerstelle zu füllen. Die weltoffenen, reiselustigen Deutschen beschäftigen sich mit Delfinen und Walen, mit Korallenriffen im Pazifik – über die eigenen Gewässer wird aber kaum berichtet. Zudem steht es nicht überall gut um unsere Seen und Flüsse. Sie stehen unter dem Druck der Landwirtschaft, Arten verändern ihre Erscheinung, einwandernde Arten verdrängen heimische. Wie geht es also Plötze und Barsch? Die sind zwar nicht so spektakulär, benötigen aber auch Aufmerksamkeit.

Was möchten Sie mit ihrer Ausstellung erreichen?
Es ist nicht schwer, sich den Wasserkreislauf zu visualisieren. Wir sind ein Teil davon. Es geht um sparsame Nutzung des Wassers und um Vermeidung von Verunreinigungen. Wir alle können zu Hause sehr wichtige Entscheidungen treffen – das müssen nicht die Industrie oder die Landwirtschaft, deren Kunden wir sind, tun.

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