Hintergrundelement

Windenergiegewinnung und Fledermausschutz im Konflikt

Es ist nichts Neues, dass Fledermäuse an Windkraftanlagen verunglücken. Dennoch konnte eine zufriedenstellende Lösung zum Schutz der Tiere an den Anlagen bislang nicht gefunden werden.

Seit 2002 erfasst die Staatliche Vogelschutzwarte Brandenburg nicht nur Vögel, die unter Windkraftanlagen tot aufgefunden werden, sondern auch Fledermäuse. Bis Juni 2017 belief sich die Zahl der Totfunde auf 1.240 an 1.028 untersuchten Anlagen. Die tatsächliche Zahl der getöteten Tiere dürfte allerdings deutlich höher sein, denn selbst von den untersuchten Anlagen wurde mehr als die Hälfte nur ein einziges Mal kontrolliert. Eine systematische, regelmäßige und intensive Suche nach toten Tieren erfolgt kaum und Aasfresser nutzen die Kadaver gern. Erschwerend kommt hinzu, dass die getöteten Tiere in einigen landwirtschaftlichen Kulturen oder im Wald kaum zu entdecken sind.
Am stärksten von Windkraftanlagen gefährdet sind Arten, die zwischen ihren Sommer- und Winterquartieren weite Strecken zurücklegen, beispielsweise der Große Abendsegler oder die Rauhautfledermaus. Zusammen mit der recht häufigen Zwergfledermaus machen allein diese Arten rund 83 Prozent der tot aufgefundenen Fledermäuse unter Windkraftanlagen aus. Erschreckend ist jedoch, dass zeitgleich auch 50 Zweifarbfledermäuse gefunden wurden, obwohl diese zu den seltensten Fledermausarten Brandenburgs zählt.
Vor allem die Größe der Windkraftanlagen scheint einen direkten Einfluss auf die Gefährdung von Fledermäusen zu haben. Die bisherigen Daten deuten darauf hin, dass je höher und größer die Anlagen sind, umso mehr tote Fledermäuse werden unter ihnen gefunden. Die Artzusammensetzung der bislang tot aufgefundenen Tiere unterscheidet sich dabei kaum zwischen Anlagen auf landwirtschaftlichen Flächen und solchen, die im Wald errichtet wurden.
Vollkommen ausschließen werden sich „betriebsbedingte“ Tötungen unter Windkraftanlagen nie lassen. Umso wichtiger ist es daher, dass die Fledermäuse in der Lage sind, solche Verluste durch eine entsprechend hohe Reproduktion auszugleichen. Das ist aber nur möglich, wenn sie ausreichend Quartiere und Nahrung finden.
Wer an Windkraftanlagen auf ein getötetes Tier aufmerksam wird, sollte versuchen, es möglichst gut zu fotografieren. Insbesondere sollten auf den Fotos Details gut zu erkennen sein, beispielsweise die Ohren. Zum Größenvergleich ist es dann noch wichtig, neben dem Tier auch einen Maßstab, etwa eine Geldmünze, zu fotografieren. Zusammen mit Angaben zum genauen Fundort und -datum können die Fotos dann an die Vogelschutzwarte geschickt werden. Um ein eventuell stattfindendes Monitoring nicht zu beeinträchtigen, ist es wichtig, die Tiere am Fundort liegen zu lassen. Wer ein noch lebendes Tier findet, sollte dies umgehend Herrn Dr. Christian Voigt (030 5168 517 oder voigt@izw-berlin.de) vom Leibnitz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung im Forschungsverbund Berlin e.V. melden. Dort werden die Tiere untersucht und wenn nötig auch gepflegt, bevor sie wieder ausgewildert werden.

Christiane Schröder
Geschäftsführerin des NABU Brandenburg

Leserkommentare Kommentar Icon (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreiben Sie hier Ihr Kommentar zu dem Beitrag:

Hinweis:
Ihr Kommentar wird erst nach redaktioneller Prüfung freigeschaltet. Alle Felder sind Pflichtfelder.
 

naturmagazin abonnieren

Immer informiert

Pfeil blue

Ihnen gefällt das neue naturmagazin und Sie möchten es regelmäßg lesen?

Im online-Buchladen von Natur+Text können Sie es einzeln oder als Abo bestellen

Vorschau

Ausgabe 4/2017

Pfeil olive

Winterliches Naturerleben steht im Mittelpunkt der nächsten Ausgabe! Ab 1. Novenmber 2017 in Ihrem naturmagazin.

Kalender

Aktuelle Veranstaltungen

Pfeil orange

Herausgeber

NABU Brandenburg, Naturschutzzentrum Ökowerk Berlin e.V., Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg, Natur+Text GmbH

Pfeil olive

mehr lesen?

Pfeil blue

Sie interessieren sich für weitere Publikationen aus unserem Verlag?

Dann stöbern sie doch in unserem Online-Buchladen