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Fledermausarten in Berlin und Brandenburg

In Brandenburg und Berlin wurden bisher 18 Fledermausarten nachgewiesen. Neben der seltenen Nordfledermaus Eptesicus nilssonii gehören auch die Arten Bechsteinfledermaus Myotis bechsteinii, Teichfledermaus Myotis dasycneme und Bartfledermaus Myotis mystacinus sowie Mopsfledermaus Barbastella barbastellus und Großes Mausohr Myotis myotis zu den selteneren Arten mit wenigen Vorkommen. Manche Arten bekamen erst in den vergangenen Jahrzehnten einen wissenschaftlich anerkannten Status: So werden beispielsweise seit den 1960er Jahren Graues Langohr Plecotus austriacus und Braunes Langohr P. auritus als eigene Arten (wieder) anerkannt. Und seit den 1980er Jahren forschten Experten über die Verschiedenheiten innerhalb der Zwergfledermäuse. Heute werden Zwergfledermäuse und Mückenfledermäuse nach molekulargenetischen Untersuchungen als eigene Arten unterschieden.

Großes Mausohr Myotis myotis

Größte heimische Fledermausart. Gewicht (G) 20–27 g. Fell dicht und kurz. Ohrmuscheln recht lang. In Brandenburg lückenhaft verbreitet. Bevorzugt ausgedehnte Laub- und Mischwäldern sowie Siedlungsgebiete mit älterer Bausubstanz und hohen Gebäuden. Wenige, dafür große Wochenstuben. Sommerquartiere sind meist Dachböden und Dachräume in Kirchtürmen. Flug erst nach Beginn der Dunkelheit. Die Nahrung besteht überwiegend aus großen Käfern. Höchstalter beringter Tiere fast 25 Jahre.

 

Bechsteinfledermaus Myotis bechsteinii

Mittelgroße Art. G 7–10 g. Anspruchsvollste Art! In Brandenburg selten und inselartig verbreitet in natürlichen oder naturnah bewirtschafteten (älteren) Laub- oder Laubmischwäldern mit höhlenreichem Baumbestand. Sammelt Nahrung in langsamem Flug von Blättern, Ästen und vom Boden: Schmetterlinge, Spinnen, Ohrwürmer, Raupen, Käfer und Hundertfüßer. Höchstalter 21 Jahre.

 

Breitflügelfledermaus  Eptesicus serotinus

Drittgrößte einheimische Art, G 18–25 g. In Mittel- und Südeuropa weit verbreitet, in Berlin und Brandenburg häufig. Breitflügelfledermäuse bevorzugen den menschlichen Siedlungsbereich, sowohl Dörfer wie Städte. Oft kommt es zu Verirrungsflügen in Häuser ab Juli/August. Ihre Jagdgebiete liegen entlang von Alleen, Waldrändern und Baumbeständen, selten im Offenland. Fledermauskästen werden kaum angenommen. In den bekannten regionalen Winterquartieren (überwiegend oberirdisch) ist die Art selten vertreten. Höchstalter bei knapp 24 Jahren.


Zwergfledermaus Pipistrellus pipistrellus

Sehr kleine Art. G 3–7 g. Häufigste Fledermausart im Siedlungsbereich. In Brandenburg unterscheidet man Zwerg- und Mückenfledermaus etwa seit 2000. Die Artbestimmung erfolgt nach Rufen, genetischen Untersuchungen und biometrischen Merkmalen. In ganz Deutschland verbreitet, in Brandenburg und Berlin häufig. Sehr anpassungsfähig, lebt bevorzugt in Siedlungen und Siedlungsrandbereichen, auch in Innenstädten. Kommt aber auch in geschlossenen Waldgebieten vor. Die mit Abstand wichtigsten Beutetiere sind Mücken, danach kleine Käfer (unter 5 mm) und Schmetterlinge. Höchstalter über 16 Jahre.

 

Abendsegler Nyctalus noctula

Zweitgrößte einheimische Fledermausart. G 21–30 g. Abendsegler bevorzugen altholzreiche Wälder und Forste. Sie kommen auch in Parkanlagen, Feldgehölzen, Alleebäumen und auf Friedhöfen vor. Charakteristisch für die Art ist die Jagd im freien Luftraum. Die Tagesquartiere und auch Wochenstuben sind in Baumhöhlen (Spechthöhlen), auch in Fledermauskästen. Brandenburger Abendsegler ziehen zum Spätsommer nach Südwest, meist in die Rheinregionen, doch es gibt auch Überwinterungen in Brandenburg. Eine relativ kurzlebige Art: Höchstalter in Mitteleuropa bei 9,5 Jahren.


Kleinabendsegler Nyctalus leisleri

Mittelgroße Art. G 13–18 g. Die Art kommt in Europa von Portugal bis zum Ural vor. Kleinabendsegler gehören in Brandenburg zu den selteneren Arten mit unsteten Vorkommen und häufigen Ortswechseln der Individuen. Winternachweise fehlen, ganz Brandenburg wird wohl zum Winter verlassen. Die Hauptwanderrichtung brandenburgischer Kleinabendsegler ist Südwest. Kleinabendsegler sind die einheimischen Fledermäuse mit der nachgewiesenen weitesten Wanderstrecke: Drei in Brandenburg beringte Tiere wurden aus Frankreich zurückgemeldet. Höchstalter: 11 Jahre


Fransenfledermaus Myotis nattereri

Mittelgroße Art. G 7–10 g. In Brandenburg weit verbreitet. Bevorzugt gut strukturierte parkähnliche Landschaften mit integrierten Gewässern bis hin zu geschlossenen Laub- und Mischwäldern. Fransenfledermäuse jagen in 1– 4 m Höhe in relativ langsamem, gewandtem Flug („Schwirrflug“ auf der Stelle). Nahrung häufig Schmetterlinge, aber auch Käfer, Mücken, Spinnen, Hautflügler und Fliegen. Höchstalter 16 Jahre.

 

Bartfledermaus Myotis mystacinus

Sehr kleine Art. G 4–7 g. In Brandenburg selten. Bevorzugt waldreiche Gebiete, z. B. Kiefern-Eichen-Mischwälder, auch reine Kiefernforste sowie dörfliche Siedlungsgebiete in der Nähe von kleinen Fließgewässern. Eine der am zeitigsten aktiven Art, Bartfledermäuse fliegen oft schon 10 Minuten nach Sonnenuntergang. Höchstalter 16 Jahre.

 


Brandtfledermaus Myotis brandtii

Kleine Fledermausart. G 5–7 g. Eine Charakterart der brandenburgischen Wälder, die Laub- und Mischwälder auf feuchteren Standorten bevorzugt, aber auch reine Kiefernforste und dörfliche Strukturen in der Nähe kleiner Still- oder langsam fließender Gewässer besiedelt. Jagt innerhalb der Wälder und im Übergangsbereich vom Wald zur Feldflur. Eine ortstreue Art, die nur kurze Wanderstrecken (< 300 km) zwischen Sommer- und Winterquartier zurücklegt. Höchstalter bei 25 Jahren

 

Wasserfledermaus Myotis daubentonii

Mittelgroße Art. G 6–10 g. Wasserfledermäuse sind in ganz in Brandenburg verbreitet und stellenweise häufig. Sie bevorzugen im Sommerhalbjahr nahrungsreiche Gewässer mit benachbarten Laubwäldern und jagen vor allem über den Wasserflächen von Seen, Teichen, Fließen und Flüssen, aber auch in Siedlungen und in Wäldern in Gewässernähe. Sommerquartiere meist in Baumhöhlen, vor allem Spechthöhlen, in Gewässernähe (selten > 3 km). Größtes Winterquartier der Region ist die Spandauer Zitadelle mit ca. 4000 Wasserfledermäusen. Höchstalter: 30 Jahre.

 

Braunes Langohr Plecotus auritus

Mittelgroße häufige Art, G 6–9 g, die Brandenburg flächendeckend und oft dicht besiedelt. Sie bevorzugt Laub-, Misch- und Nadelwälder. Hat im Vergleich mit anderen Arten einen abwechslungsreicheren Speisezettel: Schmetterlinge, Schnaken, Köcherfliegen, Mücken, Käfer und Fliegen. Die Nahrung wird vor allem von Bäumen (Rinde und Ästen) und in der Krautschicht aufgenommen ("Cleaning"). Sommerquartiere und Wochenstuben in Baumhöhlen, Fledermauskästen und an Gebäuden. Höchstalter: 22 Jahre.


Graues Langohr Plecotus austriacus

Mittelgroße Fledermaus. G 6-10 g. Die nördliche Verbreitungsgrenze (53. Breitengrad) der Art verläuft quer durch Brandenburg. Hier wurde sie lokal selten bis verbreitet nachgewiesen. Als typische Dorffledermaus ist die Art vorwiegend in Ortschaften in wärmebegünstigten, reich strukturierten Agrarlandschaften mit enger Bindung an Gebäude anzutreffen. Höchstalter bei über 25 Jahren.

 

Mopsfledermaus Barbastella barbastellus

Mittelgroße Art. G 7–10 g. In Europa von Süd-England bis zum Kaukasus vorbreitet, nirgends zahlreich. Nachweise aus Norddeutschland sind selten. In Brandenburg wurde die Art in Waldlandschaften südlich von Berlin, im Fläming, und im Südwesten angetroffen. Höchstalter bei nahezu 22 Jahren.

 

Mückenfledernaus Pipistrellus pygmaeus

Kleinste einheimische Art. G 4–7 g. Mückenfledermäuse kommen in ganz Deutschland vor, in Brandenburg besonders im Norden und Nordosten des Landes. Die Kenntnisse über Lebensweise und Wanderungen dieser hoch spezialisierten Art sind noch sehr lückenhaft. Sie bevorzugt laubwald- und wasserreiche Lebensräume. Die Nahrung besteht überwiegend aus Zuckmücken, Blattläusen und Kleinschmetterlingen. Ende Mai und im Juni werden die Jungen geboren, meist Zwillinge wie bei der Zwergfledermaus. Höchstalter schwedischer Tiere über 8 Jahre.

 

Rauhautfledermaus Pipistrellus nathusii

Kleine Art. G 6–10 g. Im Norden und Osten von Brandenburg lokal häufig. Hier gibt es größere Vorkommen in altholzreichen Laubmischwäldern in der Nähe von Kleingewässern. Die Rauhautfledermaus gehört zu den  weit wandernden Fledermausarten. Nordosteuropäische Populationen ziehen großenteils durch Deutschland in die Winterquartiere. Höchstalter über 14 Jahre.

 

Zweifarbfledermaus Vespertilio murinus

Mittelgroße Fledermaus, G 10–15 g, die in Berlin und Brandenburg selten ist. Erstnachweis für Berlin 1965, für Brandenburg 1987. Seitdem etwas häufigere Beobachtungen. Im Sommer bevorzugt in ländlichen vorstädtischen Siedlungen in der Nähe großer Seen und Fließgewässer mit hohem Anteil von Altbäumen. Fast alle Tiere unternehmen im Spätsommer gerichtete Wanderungen über oft mehr als tausend Kilometer. Das nachgewiesene Höchstalter ist mit 12 Jahren relativ gering, doch typisch für eine wandernde Art, deren Weibchen in der Regel zwei Junge pro Jahr großziehen.


Teichfledermaus Myotis dasycneme

Mittelgroße Fledermaus. G 13–18 g. Die Art galt in Brandenburg bis 1985 als sehr seltener Wintergast. Seitdem vermehrt Sommerbeobachtungen von Einzeltieren und der Nachweis einer Wochenstube. Teichfledermäuse siedeln in Brandenburg nur in sehr geringer Dichte. Seen, Teiche und breite Wasserläufe sind Voraussetzung für das Vorkommen der Art. Nahrungsanalysen ergaben vorwiegend Zuckmücken und Köcherfliegen, die auch von der Wasseroberfläche aufgenommen werden. Höchstalter bei 20 Jahren.

 

Jürgen Herrmann

 

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