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Ausgabe 3/2017

Gewusst wie

Fledermausexperten nutzen verschiedene Techniken zur Bestandserfassung

Eine Fledermaus am abendlichen Himmel können auch Laien leicht entdecken. Schwieriger wird es, wenn nach der Art des kleinen Flugsäugers gefragt wird oder – noch schwieriger – nach dem Ort seines Quartiers, vielleicht sogar seiner Wochenstube. Wenn man es ganz genau wissen will, hilft manchmal nur eins: Netze spannen!

Alle in Deutschland vorkommenden Fledermausarten sind nach europäischem Recht streng geschützt und im Anhang IV der Fauna-Flora-Richtline (FFH) gelistet, einige sogar in deren Anhang II. Nach dem Vorkommen von Fledermausarten wird spätestens dann gefragt, wenn Eingriffe in Natur und Landschaft zu erwarten sind – in der Regel sind dies Baumaßnahmen. Anders verhält es sich bei den sogenannten "Anhang II-Arten". Deren Lebensräume sind nach europäischem Recht in FFH-Gebieten ohnehin zu erhalten. Ob und wie gut dies dort gelingt, wird im Rahmen der Managementplanung in bestimmten Zeitintervallen überprüft – auch ohne anstehende Baumaßnahmen.

Fledermäuse erfassen

Einen ersten Überblick über die in einem Gebiet vorkommende Fledermausfauna liefert der Fledermausdetektor. Er "übersetzt" die von den Tieren zur Orientierung und Jagd abgegebenen Ultraschall-Laute in Geräusche, die auch vom Menschen wahrgenommen werden können. Mit Hilfe sogenannter Horchboxen können diese Laute auch über mehrere Stunden hinweg aufgezeichnet werden. Die Auswertung der artspezifischen Rufe – sie lassen sich am Computer auch bildhaft als sogenannte Sonagramme darstellen – kann später in aller Ruhe im Büro erfolgen.
Einige Fledermausarten ähneln sich allerdings stark in ihren Lautäußerungen, so dass weitere Untersuchungen notwendig werden. Vor allem, wenn es darum geht, das Vorkommen einer im Gebiet vermuteten Anhang II-Art zu bestätigen oder herauszufinden, ob sich die Art im Gebiet auch reproduziert. Dann kommt der Netzfang ins Spiel.

Fangen und besendern

Eins vorweg: Fledermäuse dürfen nur mit Ausnahmegenehmigung der Naturschutzbehörden von ausgewiesenen Fledermausexperten gefangen werden! Im Rahmen der Managementplanung ist eine solche Genehmigung allerdings Formsache. Dennoch empfinden selbst erfahrene Fledermausexperten einen Netzfang oftmals noch immer als etwas besonderes, bietet er ihnen doch die seltene Gelegenheit, in direkten Kontakt mit "ihrer" Artengruppe zu treten.
Fledermausnetze werden zwischen zwei senkrechten, etwa 4 bis 8 Meter langen Stangen gespannt. Geknüpft sind die sogenannten „Puppenhaar-Netze“ aus extrem feinem Garn, sie dürfen von der Echoortung der Fledermäuse nicht gleich als Hindernis zu erkennen sein. Im Regelfall „sehen“ die Fledermäuse die Netze dennoch; der Überraschungseffekt und die Unerfahrenheit junger Fledermäuse verhelfen zum Fangerfolg. Aufgestellt werden die Netze bei Anbruch der Dämmerung quer zu beliebten Flugkorridoren. Das kann entlang eines Gewässerrandes oder auch quer zu einer Schneise im Wald sein. Dann heißt es warten und aufpassen, denn gefangene Tiere müssen möglichst schnell wieder aus dem Netz befreit werden, um ihnen unnötigen Stress zu ersparen. Zudem droht dem Netz sonst Schaden durch kleine aber scharfe Zähne. Bevor die gefangenen Tiere wieder freigelassen werden, werden sie in der Regel noch vermessen und genauer untersucht.
Wenn neben etlichen "normalen" Anhang IV-Arten dann tatsächlich auch eine seltene Art des Anhang II im Netz zappelt, können selbst gestandene Fledermausprofis in Euphorie geraten. Dabei geht für sie die Arbeit jetzt erst richtig los. Nun gilt es herauszufinden, wo das Quartier und vielleicht auch die Wochenstube des besonders schützenswerten Handflüglers gelegen ist. Um dies herauszufinden, kann dem Tier ein winziger Peilsender auf den Rücken geklebt werden. Etwa zwei Wochen lang wird die Fledermaus nun mit ihrem "Rucksack" unterwegs sein und die mit Richtantennen ausgerüsteten Experten im besten Fall zu ihrer Wochenstube führen. Dann verliert der Kleber seine Wirkung und die Fledermaus entschwindet unbeobachtet. Sofern sie aber die Lage ihres Quartiers preisgegeben hat, kann dieses bei der nächsten Maßnahmenplanung berücksichtigt und fortan besser geschützt werden.
Das Verfolgen besenderter Tiere – von Fachleuten "Telemetrieren" genannt – geschieht bei Fledermäusen nicht nur zur Quartiersuche, manchmal soll auch nur festgestellt werden, wo sich die Tiere während der Nacht aufhalten oder jagen. Arbeiten bei dieser Raumnutzungsanalyse zwei Fledermausexperten in einem Team zusammen, können sie mit zwei Antennen ausgerüstet durch Kreuzpeilung den genauen Aufenthaltsort des Tieres bestimmen.
Bei größeren Flugdistanzen stößt die Telemetrie allerdings schnell an ihre Grenzen, die kleinen Sender haben nur Reichweiten von maximal wenigen hundert Metern. Wird beispielsweise nach der Entfernung zwischen Sommer- und Winterquartier gefragt, ist das Beringen von Fledermäusen ein geeignetes Mittel, das allerdings vor allem zu Forschungszwecken eingesetzt wird. Das Ablesen der an den Oberarmen der Tiere befestigten Ringe kann dann entweder bei einem erneuten Netzfang oder im Rahmen von Quartierkontrollen erfolgen.

Christof Ehrentraut

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