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Ausgabe 3/2017

Schlafen im Brauereikeller

In Potsdams Mitte entstehen neue Winterquartiere für Fledermäuse

Vis-à-vis des Potsdamer Hauptbahnhofs schmiegen sich zwei große Gewölbekomplexe in den Hang des Brauhausberges. Einst dienten sie als Lager bzw. Eiskeller. Einer wurde aus Backsteinen gemauert, der andere besticht durch die Weite seiner freitragenden Betondecken.

Trotz seiner Größe bot der halb verfallene, gemauerte Brauereikeller bislang nur wenigen Fleder-mäusen ein geeignetes Winterquartier. Zu zugig war er. Dennoch fanden seit Jahren einzelne Große Mausohren, Braune Langohren, Fransen- und Wasserfledermäuse auch dort geschützte Winkel.
Vor etwa drei Jahren erwarb Udo Anlauff – Inhaber der Firma Expert-Bau Bad Liebenwerda – das Grundstück am Brauhausberg von der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg zum Zweck der Wohnbebauung. Glücklicherweise hat der neue Eigentümer ein großes Herz für Naturschutz, insbe-sondere für Fledermäuse. Er sicherte das Backsteingewölbe und sorgte in ihm für besseres Klima. Für Menschen stellt er nun keine Gefahr mehr dar und wird den Tieren lange erhalten bleiben. Schon bald soll das Quartier sogar dem NABU-Kreisverband Potsdam grundbuchmäßig übertragen werden – die Vorbereitungen laufen! Die Mitglieder der Fachgruppe Säugetierschutz werden dann für weitere Hangplätze im Quartier sorgen. Gut bewährt haben sich dafür Hohlblocksteine mit unterschiedlichen Spaltgrößen. Die Zahl der überwinternden Tiere wird dann bald anwachsen, so die Erwartungen.
Das zweite Quartier, der ehemalige Eiskeller, verbrachte einen echten Dornröschenschlaf. Nur durch eine alte Metalltür gesichert, verbarg er über Jahrzehnte "Winkelemente" und Dekorationsaufsteller vom 40sten Jubiläum der DDR, sein zweiter Ausgang war zugeschüttet. Eigentlich wären das beste Voraussetzungen für ein Winterquartier. Doch die einzige Einflugmöglichkeit bestand aus der kaput-ten Eingangstür und auch die glatten Betonwände des Kellers waren als Schlafplätze ungeeignet. Eine Belüftung der ca. 700 Quadratmeter großen Anlage fehlte völlig. Dennoch nutzten im Winter 2015/2016 rund 40 Fledermäuse jede vorhandene Spalte und raue Kante zur Überwinterung.
Derzeit gehört das Grundstück der Stadt Potsdam, sie hatte es vom Investor sehr günstig erwerben können. 2016 wurde der Keller vertraglich dem NABU-Kreisverband Potsdam zur Nutzung als Fle-dermausquartier übertragen. Seitdem wurde es an mehreren Aktionstagen von Unrat befreit. Zur besseren Belüftung und als zweite Einflugmöglichkeit wird der zweite Eingang nun im Auftrag der Stadt freigelegt. Die Grünanlage oberhalb des Quartiers soll 2018 so umgestaltetet werden, dass zur Verbesserung des Raumklimas an einigen Stellen Regenwasser eingeleitet wird. Auch der ursprüngli-che Eingangsbereich soll neu gestaltet werden. Fledermäuse sollen dann auch dort optimale Über-winterungsmöglichkeiten finden. Ein schöner Erfolg, finden die Potsdamer NABU-Leute. Denn wäh-rend andernorts durch Sanierungsmaßnahmen, Wohnungsbau oder Verfall immer mehr Quartiere unbemerkt verschwinden, zeigt das Beispiel, dass bei gemeinsamem Engagement von Stadt, privaten Eigentümern und NABU selbst in bester Baulage Platz für Natur- und Artenschutz ist.

Wolfgang Ewert

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