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Ausgabe 3/2017

Vom Jagddomizil zum Winterquartier

Naturschutzstation Zippelsförde und Naturwacht schaffen Fledermausquartier

Brandenburgs Wälder verbergen noch so manches Geheimnis. Nicht nur Naturschätze gehören dazu, sondern auch die Überreste einstiger Nutzungen. Auf eine davon stießen die Ranger der Naturwacht im Naturpark Stechlin-Ruppiner Land. Während ihrer Strukturbaum-Kartierung fanden sie am nördlichen Ufer des Nehmitzsees nordöstlich von Rheinsberg Ruinen und Fundamentreste einer ehemaligen Bebauung. Am Ende gemeinsamer Erkundigungen mit der Naturparkverwaltung und dem zuständigen Revierförster Heiko Mildebrath folgte die Erkenntnis, dass es sich um die Reste des ehemaligen Jagdhauses von Erhard Milch handelt. Milch war im Dritten Reich Generalfeldmarschall und als Generalluftzeugmeister für die technische Entwicklung und die Rüstungsproduktion der Luftwaffe verantwortlich. Ende der 1930er Jahre ließ er im Naturschutzgebiet Stechlin am Nehmitzsee sein privates Jagdhaus bauen. Die notwendige Ausnahmegenehmigung besorgte ihm Hermann Göring, als Reichsforstmeister der oberste Naturschützer des Reiches.

Bei der Begehung des Areals fanden die Ranger die noch fast vollständig erhaltene ehemalige Sammelgrube des Jagddomizils, deren Bausubstanz sich nach einer ersten Einschätzung für einen Umbau zum Fledermausquartier eignete. Um ganz sicher zu gehen, zogen die Ranger Siegfried Petrick von der Naturschutzstation Zippelsförde und die Fledermaus-erfahrenen Naturwachtkollegen Michael Schünemann und Michael Treptow aus dem Naturpark Barnim zu Rate. Die drei Fachleute bestätigten, dass sich die ehemalige Klärgrube als Winterquartier für Fledermäuse eignet.

 

Von der Klärgrube zum Winterquartier

Wohnungsbau für Fledermäuse heißt im Wesentlichen Fledermaus-gerechter Umbau, denn die Tiere sind im Hinblick auf Design und Dekor nicht übermäßig anspruchsvoll. Unterschlupfmöglichkeiten und ein Plätzchen zum „Abhängen“ für die Winterruhe genügen. Wichtig ist vor allem, dass das Quartier frei von Frost ist sowie Lichtverhältnisse und Mikroklima gleichbleibend sind. Diesen Anforderungen trugen auch die Naturwacht und die Naturschutzstation Zippelsförde in ihrem gemeinsamen Artenschutzprojekt Rechnung und folgten im Entwurf des Quartieres zudem der Empfehlung, Hohlblocksteine als zusätzliche Unterschlupfmöglichkeiten befestigen, eine Esse mit Einflugschlitzen aufmauern und neue Steigeisen montieren zu lassen.
Rund 2.300 Euro aus dem Haushalt der Naturparkverwaltung verbaute die Firma Bergmann Bau aus Gransee für das neue Fledermausdomizil am Nehmitzsee. Die ersten Gäste ließen übrigens nicht lange auf sich warten. Bereits im ersten Winter konnte Siegfried Petrick bei einer Kontrolle Fransenfledermaus, Wasserfledermaus und Braunes Langohr in ihrem Winterquartier begrüßen.

Marc Thiele
Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg

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