Hintergrundelement
Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv +++ Archiv

Ausgabe 2/2018

Feldvögel in der Berliner City

Nach Transport- und Passagiermaschinen landen heute Feldlerche &Co auf dem Tempelhofer Feld

Eigentlich ist die Feldlerche ein typischer Vertreter der offenen Agrarlandschaft. Doch während sie dort seit Jahren immer seltener wird, hat sie inmitten von Berlin ein neues Zuhause gefunden: das Gelände des ehemaligen Flughafen Tempelhof!

Auf dem Tempelhofer Feld brüten jedes Jahr rund 200 Feldlerchenpaare. Das sind rund 40 Prozent des Berliner Bestandes. Eindrucksvoll zu beobachten sind vor allem die Feldlerchenmännchen, wenn sie von April bis August in charakteristischer Art und Weise unermüdlich und singend rund 50 bis 100 Meter in die Höhe streben, um dann nach einem Moment des Verharrens wieder Richtung Boden zu stürzen.
Das Tempelhofer Feld bietet auf über 300 Hektar unterschiedlichen Nutzungen und Lebewesen Raum. Neben Bereichen für sportliche Aktivitäten, zum Grillen oder für Hundeauslauf gibt es große Flächen, die dem Schutz sensibler Tier- und Pflanzenarten vorbehalten sind. So ist beispielsweise der Bereich zwischen den beiden Landebahnen als „Wiesenmeer“ ausgewiesen. Nicht nur die Feldlerchen brütet dort, auch die Grauammer. Während der Brutzeit darf die Fläche von Ende März bis mindestens Ende Juli nicht betreten werden. Hinweisschilder weisen darauf hin, Flatterband und Pfähle sollen das Betreten verhindern. Erst nach Ende des Brutgeschäfts wird die Fläche in mehreren Schritten gemäht – die Vögel sollen ihren Nachwuchs ungestört aufziehen können.
Im südöstlichen Teil des Tempelhofer Feldes wurde eine Teilfläche gänzlich eingezäunt: Dort brüten je zwei Paare von Wachtel und Steinschmätzer. Letztere bekamen zum Brüten auch noch Steinhaufen „spendiert“, deren Umfeld wird regelmäßig von aufkommendem Bewuchs befreit. Das Tempelhofer Feld ist aber auch für weitere Vogelarten der offenen Agrarlandschaft ein Zuhause geworden, beispielsweise für Braunkehlchen, Rauchschwalbe, Neuntöter, Bachstelze, Girlitz und Star. Zum Beobachten dieser Arten bietet sich der am Rundweg gelegene Aussichtsturm im Südwesten an.
Das ehemalige Flughafengelände wird von der Grün Berlin GmbH verwaltet und gepflegt. Die Parkaufsicht achtet darauf, dass die Schutzflächen während der Brutzeit nicht betreten und Hunde an der Leine geführt werden. Die Feldlerchenbestände werden jährlich erfasst. Unerwünschten Entwicklungen kann notfalls entgegensteuert werden. Der Aufwuchs einzelner Büsche und Jungbäume wird nur toleriert, solange sie den Lebensraum der Feldlerchen nicht beeinträchtigen. Davon profitieren dann auch Grauammern und Braunkehlchen.
Das Tempelhofer Feld kann über die drei Haupteingänge im Westen, Norden und Osten sowie weitere Nebeneingängen betreten werden. Der Eintritt ist kostenlos und die Öffnungszeiten sind abhängig von den Jahreszeiten. Im Sommer kann das Feld schon ab 6 Uhr morgens betreten werden, im Winter etwas später. Geöffnet bleibt das Gelände etwa bis zum Sonnenuntergang.

Ulrike Pohl

Geschichte des Tempelhofer Feldes

Das Tempelhofer Feld blickt auf eine lange militärische Nutzung zurück. Ab 1722 wurde der ursprüngliche Acker vom preußischem Militär als Exerzier- und Paradeplatz genutzt. Im 19. Jahrhundert folgten verschiedene sportliche und luftfahrttechnische Aktivitäten. Es gab eine Pferderennbahn, der erste Fußballverein Berlins spielte auf der Fläche und verschiedene Flugobjekte – wie Ballons oder Luftschiffe – wurden dort präsentiert. 1922 wurden für den Flughafen erstmals Landebahnen planiert. Seine heutige Form erhielt das Flugfeld zwischen 1936 und 1941. Aufgrund des Zweiten Weltkriegs wurde der Flughafen jedoch nie vollkommen fertig gestellt. Nach 1945 wurde er von der US Air Force militärisch genutzt. Größere Bekanntheit erlangte der Flughafen Tempelhof durch die „Luftbrücke“ während der Blockade West-Berlins vom 25. Juni 1948 bis zum 12. Mai 1949. 2008 wurde der Flugverkehr vollständig eingestellt. Seit dem 8. Mai 2010 ist das Feld für die Bevölkerung als Erholungsfläche zugänglich.

Leserkommentare Kommentar Icon (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreiben Sie hier Ihr Kommentar zu dem Beitrag:

Hinweis:
Ihr Kommentar wird erst nach redaktioneller Prüfung freigeschaltet. Alle Felder sind Pflichtfelder.
 

AKTUELLE

Ausgabe 4/2018

Pfeil blue

Lesen Sie hier die aktuelle Ausgabe des Naturmagazins
mehr...