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Ausgabe 1/2014

Dichter Nebel verursachte Vogeltod

Der 15. 11. 2012 war ein typischer trüber Novembertag. Am Nachmittag kam Nebel auf, der sich rasch verdichtete. Noch am gleichen Abend wurde von Gänsen berichtet, die auf Straßen notgelandet oder mit Fahrzeugen kollidiert waren. Ganz offensichtlich waren die Vögel außerstande, sich im bodennahen, dicht wabernden Nebel bei der Landung zu orientieren. Der Wind war zu schwach, um den kompakten Nebel aufzulösen.

Am nächsten Tag wurde offenkundig, welche Opferzahlen diese extreme Wetterlage in Brandenburg unter den Vögeln gefordert hatte. Bereits beim morgendlichen Berufsverkehr gab es zahlreiche Kollisionen, vor allem mit Gänsen auf den Autobahnen und Bundesstraßen, wie Radiosender meldeten. Nach Polizeiberichten kam es jedoch nicht zu Personenschäden – glücklicherweise.
„Mehr als 40 tote oder verletzte Gänse wurden auf der A 40 registriert, mehr als 100 auf dem Berliner Ring bei Rangsdorf und fast ebenso viele auf der B 101 zwischen Thyrow bei Ludwigsfelde und Berlin“, schreibt Torsten Langgemach, der Leiter der Staatlichen Vogelschutzwarte Brandenburg, in einem Bericht. Marion Szindlowski von der Storchenschmiede Linum des NABU hat 38 Kraniche und vier Gänse gezählt, die tot oder verletzt in der Umgebung des bekannten Kranich- und Gänserastplatzes bei Linum gefunden wurden.
Im Berliner Stadtgebiet sind die im Nebel umherirrenden Vögel in den meisten Fällen wohl mit Gebäuden kollidiert. So wurden mehrere tote oder verletzte Waldschnepfen, Stockenten, Blässhühner, Krähen und Kleinvögel an Derk Ehlert gemeldet, den Wildtierbeauftragten der Senatsverwaltung.
Die Großvögel Kraniche und Gänse waren vor allem betroffen, viele von ihnen wurden tot oder verletzt entlang der Fernstraßen eingesammelt. In den regionalen TV-Nachrichten der rbb-„Abendschau“ war ein Lkw-Anhänger mit toten Gänsen und Kranichen zu sehen. Doch wie viele Vögel insgesamt im dichten Brandenburger Nebel verunglückt sind bleibt unbekannt, weil es keine flächendeckenden Aufzeichnungen gibt.
„Ganz sicher geben die erfassten Kollisionsopfer nur die Spitze des Eisberges wieder. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die wahre Zahl der Anflugopfer nicht einige Hundert beträgt, sondern bei etlichen Tausend liegt“, schreibt Langgemach und fährt fort: „Kaum ein Vogelbeobachter in Berlin oder Brandenburg kann sich an ein vergleichbares Massensterben im Nebel erinnern.“


Jürgen Herrmann

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