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Ausgabe 1/2014

Der Bundesfreiwilligendienst

Eine Erfolgsgeschichte

Unverzichtbar. Für alle Seiten. So lautet das Fazit nach zweieinhalb Jahren Ökologischer Bundesfreiwilligendienst. Was als Nachfolge des Zivildienstes begann, ist heute aus der Arbeit vieler Berliner Natur- und Umweltschutz-organisationen nicht mehr wegzudenken. Eine Erfolgsgeschichte.

Einen Tag vor ihrer Rente wagt Brigitte den Neuanfang, von dem sie immer geträumt hatte. Die gelernte Buchhalterin tauscht ihren Bürostuhl gegen Gießkanne und Spaten und wird Gärtnerin. Das war längst überfällig. Immer, wenn der Aktenberg auf ihrem Schreibtisch größer wurde, fiel ihr Blick durch das Fenster auf die grüne Wiese mit den großen Bäumen und ließ ihren Wunsch wachsen: Natur statt Büro. Heute ist Brigitte eine von derzeit 95 Teilnehmern des Ökologischen Bundesfreiwilligendienstes (ÖBFD) der Stiftung Naturschutz Berlin, die sich in öffentlichen Einrichtungen, in NGOs, Vereinen und Verbänden im Natur- und Umweltschutz engagieren. Im Biogarten des Ökowerks kümmert sich die Pensionärin um die Nachzucht der Nutzpflanzen. Für insgesamt 18 Monate. So lange geht der Bundesfreiwilligendienst höchstens. Danach, sagt sie, will sie bleiben. „Das, was ich hier tue, erfüllt mich und macht Sinn.“
Nicht nur in Berlin ist der ÖBFD ein Erfolgsmodell. Der BUND und der NABU sind weitere grüne Anbieter von Bundesfreiwilligendienstplätzen. „Jeden Tag kommen neue Freiwillige für den Berliner Naturschutz hinzu", weiß Arne Mensching von der Stiftung Naturschutz Berlin. Als vor zweieinhalb Jahren der Bundesfreiwilligendienst eingeführt wurde, übernahm er die Aufgabe des Projektkoordinators des ÖBFD in der Stiftung. Als Träger berät und vermittelt sie Bewerber an die einzelnen Einsatzstellen, begleitet die Freiwilligen organisatorisch und im Rahmen von Weiterbildungen durch ihre Zeit im Freiwilligendienst und unterstützt die Einrichtungen bei der Anerkennung zur BFD-Einsatzstelle. „Wir übernehmen die Gesamtkoordination und sind Informations- und Netzwerkstelle in einem“, so Mensching. Wichtigstes Ziel für das vierköpfige Team ist es, für jeden Bewerber einen Platz zu finden, der seinen Wünschen entspricht. Das kann im Naturschutz oder in der Natur- und Umweltbildung sein, aber auch in der Landwirtschaft oder in den Bereichen Erneuerbare Energien und Verkehr. Die Einsatzgebiete reichen von der praktischen Arbeit in der freien Natur bis zum Schreibtischjob in Umweltbehörden. „Mit etwa der Hälfte der Einrichtungen arbeiten wir auch im Rahmen des Freiwilligen Ökologischen Jahres für Jugendliche bis 26 Jahre zusammen. Wir wissen, welche Aufgaben wo anfallen“, fasst Arne Mensching zusammen.
Im Unterschied zum FÖJ richtet sich der von der Stiftung angebotene Öko-Bundesfreiwilligendienst nur an Erwachsene. Jeder ab 27 Jahren kann sich engagieren – eine Altersgrenze nach oben gibt es nicht. Entsprechend kommen die Bewerbungen von Menschen aus allen Generationen und den unterschiedlichsten Lebenssituationen. „Ob der Übergang vom Studium zum Beruf, Neuorientierung oder Wiedereinstieg ins Berufsleben oder auch ein Engagement nach der Lebensarbeitszeit – die Motivationen, Freiwilliger zu werden, sind so unterschiedlich, wie die Menschen, die sich bei uns bewerben“, sagt Mensching und fügt hinzu: „Der ÖBFD ist eine Win-Win-Win-Situation. Nicht nur die Einsatzstellen und die Freiwilligen profitieren, auch der Naturschutz wird vorangetrieben.” Viele Einsatzmöglichkeiten konnten erst durch die staatliche Förderung geschaffen werden.

Neue Perspektiven, neue Chancen

Im Büro von Mundraub.org rauchen die Köpfe über einer neuen App, die alle frei zugänglichen Obstbäume in Berlin anzeigen soll. Einer davon gehört Konstantin, der zuvor an der Uni Landschaftsnutzung studiert hat. Der für einen Europäischen Freiwilligendienst nach Russland ging und der plötzlich merkte: Das ist es. Im Naturschutzbereich bin ich richtig. Der den ÖBFD bei Mundraub als Möglichkeit nutzt, um sich beruflich zu orientieren. Wie Konstantin sind etwa ein Drittel der Freiwilligen Berufseinsteiger. Viele Studenten kommen von der Universität, fast ohne Praxiserfahrung. „Ich begreife das als ein gefördertes Praktikum, in dem ich mich ausprobieren und Kontakte zu möglichen Arbeitgebern knüpfen kann.“
Die Freiwilligen aller Einsatzstellen treffen sich einmal im Monat bei den von der Stiftung Naturschutz organisierten Weiterbildungstagen. Diesen Monat dreht sich in einem Methodenseminar alles um das Thema „Fundraising – Geld für unsere guten Ideen“. Damit es nicht nur bei der Theorie bleibt, geht es auch auf Outdoor-Exkursionen. Von der Wolfstour in den Naturpark Nuthe-Nieplitz sprechen die Teilnehmer noch heute.

Einsatzstelle werden

Alle gemeinwohlorientierten Natur- und Umwelteinrichtungen, die beim BFD mitmachen wollen, müssen zuvor vom Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben als Einsatzstelle anerkannt werden. Dank der Hilfe der Stiftung Naturschutz Berlin geht das ganz einfach. Die Stiftung berät und unterstützt die Einsatzstellen aber auch dabei, geeignete Freiwillige zu finden. Eine gute Orientierung über mögliche Aufgaben bieten die Einsatzstellenprofile, die auf der Homepage der Stiftung veröffentlicht werden. Infos gibt es unter:
www.stiftung-naturschutz.de/freiwilligendienste/oeko-bfd


Freiwilliger werden

Bewerben können sich alle, die älter als 26 Jahre sind und sich die Zeit für einen freiwilligen Einsatz nehmen. Der ÖBFD kann 6 bis 18 Monate lang in Teilzeit oder Vollzeit geleistet werden. Es gibt ein Taschengeld und die Teilnehmer sind sozialversichert. Die Stiftung Naturschutz hilft bei der Suche nach der passenden Einsatzstelle und regelt das bürokratische Drumherum. Eine Übersicht über alle Einrichtungen sowie Infos zur Bewerbung gibt es unter: www. stiftung-naturschutz.de/freiwilligendienste/oeko-bfd/


Sophie Bengelsdorf

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