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Ausgabe 1/2014

Der ägyptische Igel

Der kleine Igel aus blau glasierter Fayence stammt aus der Spätzeit des Alten Ägyptens (26. Dynastie). Wahrscheinlich diente er als Kosmetikgefäß zur Aufbewahrung von Schminke – die Öffnung im Rücken ist gerade breit genug zur Einführung eines dünnen Stäbchens, mit dem man Kajal um die Augen auftrug. Die Stacheln des Igels sind durch gitterartige Einkerbungen angedeutet. Auffallend sind die langen Ohren des Tieres, die charakteristisch für die in Ägypten heimischen Wüsten- und Langohrigel sind; bei Hitze kann Wärme über sie abgegeben werden.

Darstellungen von Igeln gibt es in der ägyptischen Kunst seit frühester Zeit, etwa auf Wandmalereien in Tempeln und Gräbern. Als Opfergabe – im Käfig gefangen – sind Igel auf Darstellungen von Prozessionen zu finden. Igelfiguren zierten die Buge ägyptischer Schiffe, ähnlich Galionsfiguren. In Form von Amuletten sollten sie Unheil abwehren.
Dreidimensionale Igelfiguren wurden von den alten Ägyptern nicht nur zur Aufbewahrung von Kosmetik genutzt, sondern auch Toten mit ins Grab gegeben. Der Winterschlaf des Igels dürfte hier sinnbildlich für den Tod gestanden haben, dem neues Leben folgt. Jedoch gehörte der Igel nie zu den heiligen Tieren, denen die Wesenhaftigkeit eines Gottes innewohnte, wie etwa Katzen, Krokodile oder Falken. In der ägyptischen Religion wurden Tiere und Menschen im Diesseits wie im Jenseits als gleichrangig angesehen, und so wurden nicht nur heilige Tiere mumifiziert und bestattet, sondern auch geliebte Haustiere wohlhabender Familien wie Hunde, Affen und Vögel.
Aus der klassischen Antike haben wir Hinweise, dass Igel als Haustiere gehalten wurden, um Mäuse und Schlangen fernzuhalten. Durch die Stacheln geschützt (er kann sich bei Gefahr zu einer Kugel zusammenrollen), kann er die sich wehrende Schlange immer wieder beißen. Igel vertragen eine hohe Konzentration von Schlangengift. Auch die bei uns heimischen Braunbrustigel mit ihren runden kurzen Ohren, die sich hauptsächlich von Insekten, Schnecken und Würmern ernähren, können junge Schlangen, darunter die giftige Kreuzotter, töten und fressen. Allerdings treffen die tagaktiven Schlangen und die dämmerungs- und nachtaktiven Igel nur sehr selten zusammen. Etymologisch leitet sich „Igel“ aus dem Griechischen beziehungsweise aus dem Indogermanischen ab und bedeutet soviel wie „Schlangenfresser“.
Bei frostfreiem Wetter erwachen Igel mitunter aus ihrem Winterschlaf, der – je nach Witterung von Mitte November bis März oder April dauert – und gehen auf Nahrungssuche. Allerdings sollte man wilde Igel nur ins Haus nehmen, wenn sie krank sind oder man sie bei Schnee und Eis findet. Eine natürliche Umgebung mit buschreichen Wäldern und naturnahen Parks und Gärten, sowie aufgeschichtete Reisig- und Laubhaufen und Kompostmieten bieten Rückzugsmöglichkeiten und Quartiere zum Überwintern.
In den vergangenen Jahrzehnten hat der Igelbestand durch Habitatsverluste und tödliche Unfälle im Straßenverkehr in Deutschland stark abgenommen. In sechs Bundesländern wurde der Igel daher bereits in die Rote Liste aufgenommen. Auch wenn für Berlin und Brandenburg der Bestand derzeit noch als stabil eingestuft wird, stellt die zunehmende Zerstörung und Zerschneidung von Lebensraum eine Bedrohung dar.


Iris Fleckenstein-Seifert

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