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Ausgabe 1/2014

Niederlausitzer Heidelandschaften

Der Park für Entdecker

Wer an die Lausitz denkt, dem mögen Bilder von blutjungen Seen erscheinen, welche die Wunden ausgebeuteter Braunkohletagebaue gnädig verwischen. Die Sorben gehören zur Lausitz, qualmende Kraftwerksschlote ebenso wie der Spreewald und vielleicht auch noch Krabat aus der verzauberten Schwarzen Mühle. Doch die Region hat weit mehr zu bieten.

Eine Stunde von Dresden und zwei von Berlin entfernt, lässt im Süden der Lausitz der rund 500 Quadratkilometer umfassende Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft Entdeckerherzen höher schlagen: Im Naturparadies Grünhaus, in uralten Traubeneichenwäldern des Schutzgebietes „Forsthaus Prösa“, in der eigentümlichen Lebewelt ausgedehnter Moore wie dem „Loben“ oder einfach im Pomologischen Garten in Döllingen. Letzterer ist ein Schau- und Lehrgarten, der auf drei Hektar Fläche mehr als 150 unterschiedliche Obstsorten vereint, die im Frühjahr der Landschaft einen wundervollen Blütenzauber schenken. Hätten Sie gewusst, dass vor wenigen Jahrzehnten in Brandenburg allein mehr als 1.000 unterschiedliche Apfelsorten heimisch waren?
Das wenige Kilometer entfernte Naturparadies Grünhaus zeigt die Verwandlungskünste der Natur auf ganz andere Weise. Auf einer Fläche von annähernd 20 Quadratkilometern entstehen dort unter Obhut der NABU-Stiftung in früheren Braunkohlentagebauen zwischen Lauchhammer und Finsterwalde neue Lebensräume für bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Wasserflächen bilden sich neu, und hoch spezialisierte Arten finden auf nährstoffarmen Kippen selten gewordenen und nahezu ungestörten Lebensraum. Nicht nur Kampfläufer, Grün- und Rotschenkel nutzen dieses Paradies aus Menschenhand. Unglaublich erlebnisreich ist gerade das Repertoire wärmeliebender Insektenarten.
„Gott schuf die Lausitz und der Teufel gab die Kohle dazu“, heißt ein sorbisches Sprichwort. Doch wird sie nicht mehr abgebaut, möchte man staunend anfügen, hat der Weg zurück ins Paradies bereits begonnen.
Ein schon tausende Jahre altes Naturparadies erwartet Besucher im mehrere Quadratkilometer messenden Moorgebiet des Loben. In diesem wundervollen und so selten gewordenen Lebensraum gedeihen Natternzunge, Sumpfporst, Lungenenzian, Glockenheide und natürlich die insektenfressende Pflanze Sonnentau. Es ist die Gesamtheit dieses Lebensraumes, welche dem stillen Betrachter ein Gefühl für diese auf Wasser gebaute zerbrechliche Schönheit vermittelt.
Ganz anders die alten Eichenwälder im Naturschutzgebiet „Forsthaus Prösa“, nur drei Kilometer nördlich von Elsterwerda. Das etwa 39 Quadratkilometer umfassende Gebiet birgt mächtige Traubeneichen, wertvolle Silbergrasbestände und – endlich – die im August leuchtenden Heideflächen.
Calluna-Heiden – namengebend sind die Sträucher der Besenheide „Calluna vulgaris“ – sind vom Menschen geschaffene Lebensräume. Um sie für die Zukunft zu erhalten, müssen sie immer wieder gepflegt werden, was in der Regel durch Beweidung mit Schafen erfolgt. Gelegentlich müssen aber auch Bäume entnommen werden. Wie dies auch auf alten Truppenübungsplätzen mit Blindgängern gelingen kann, hat jüngst ein Forschungsprojekt gezeigt.
Jetzt noch zum Kleinen Spreewald, in den die Flussschleifen der Kleinen Elster münden oder doch besser zu den heimischen Tierarten? Zu den Arten im Naturpark: Am besten unter der fachkundigen Führung von Rangern der Naturwacht Brandenburg oder zertifizierten Naturführern lassen sich Ziegenmelker, Wiedehopf, Steinschmätzer oder Brachpieper erleben, mit entsprechendem Glück sogar Sperlings- und Raufußkauz. Zu guter Letzt: In den 1980er Jahren war das Auerhuhn hier noch heimisch. Derzeit läuft ein Pilotprojekt mit schwedischen Auerhühnern. Viel Erfolg und: In seiner Gesamtheit ist dieser zu Unrecht etwas unbekannte Naturpark ein liebenswertes Paradies faszinierender Vielfalt. Ein El Dorado für Entdecker eben!

Ausgangspunkte für Entdeckungen:

Naturparkhaus Bad Liebenwerda
Besucherzentrum im Naturparkhaus mit Erlebnisausstellung
Markt 20
04924 Bad Liebenwerda
Tel.: 035341/ 471594, Fax: 035341/ 471598, Email: info(at)naturpark-nlh.de
Öffnungszeiten:
April bis Oktober, Mittwoch bis Sonntag + Feiertag
9 bis 17 Uhr
November bis März, Mittwoch bis Freitag
10 bis 16 Uhr
Mo, Di auf Anfrage

Naturparadies Grünhaus
Projektbüro Grünhaus
Forststraße 1
03238 Lichterfeld
Tel. 0 35 31-60 96 11

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