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Ausgabe 1/2014

Falsche Zeichen gesetzt

EU-Agrarförderung bleibt vage und setzt auf Flächenprämie

Viele unserer heimischen Tier- und Pflanzenarten – Feldvögel beispielsweise – sind eng mit der historisch gewachsenen Kulturlandschaft verbunden. Überleben werden sie dort aber nur, wenn es gelingt, die Ziele der Naturpflege und des Naturschutzes in die Landwirtschaft zu integrieren.

Das Gegenbild zum integrativen Ansatz wäre eine Aufteilung der Landschaft in kleine Flächen, auf denen der Naturschutz bestimmt und gewaltige Flächen, auf denen eine Landwirtschaft ausschließlich nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten das Sagen hat. Aber wie weit sind wir überhaupt noch von diesem bedrohlichen Szenario entfernt? Angesichts riesiger Ackerschläge wirkt der Gedanke an Artenvielfalt geradezu lächerlich, dort geht es höchstens noch um Schadensbegrenzung bezüglich Pestizideinsatz und Bodenschutz. Aber auch der ländliche Raum blutet aus, wenn vermehrt Lohnunternehmen mit ortsfremden Arbeitskräften die Bewirtschaftung übernehmen.
Für die Agrarpolitik beginnt ab 2014 die neue siebenjährige Förderperiode der EU. Am System, an den an die Fläche gebundenen Direktzahlungen (ca. 300 Euro/Hektar), wird sich nichts ändern. Auch die beiden wichtigen Veränderungen bleiben nach langwierigen Beratungen auf allen EU-Ebenen und nach Einflussnahme der Lobbygruppen ohne größere Wirkung. Auf 30 Prozent der Landwirtschaftsfläche sollten höhere ökologische Standards und Leistungsansprüche gelten, etwa große Blühstreifen auf Ackerflächen, Gehölz- und Saumstrukturen. Vom ursprünglich angedachten Niveau bleibt aber wohl nicht mehr viel übrig. Die zweite wichtige Maßnahme, die Bereitstellung von 15 Prozent der Flächenprämie für die Finanzierung von konkreten Umweltleistungen der Landwirte, ist nur fakultativ. Die deutschen Agrarminister haben sich darauf verständigt, nur 4,5 Prozent der Direktzahlungen dafür bereitzustellen. Ob mit diesen Mitteln Natur- und Umweltschutzleistungen von Landwirten finanziert werden oder generell nur die geringere Ertragsfähigkeit von Böden in Teilen Brandenburgs aus marktwirtschaftlichen Gründen ausgeglichen wird, ist noch auszufechten.
Beispiel Grünland: Noch gehört es zu den artenreichen Agrarlandschaften mit einer Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten – auch wenn die Vielfalt bereits durch immer höhere Düngergaben, den Einsatz von Herbiziden und immer frühere und häufigere Mahd stark gelitten hat. Würde sich bei der Milchviehhaltung aber die ganzjährige Stallhaltung mit großen Boxenlaufstellen durchsetzen, wäre das wohl gleichzeitig auch das endgültige Aus für Grünland. Als Weide für die Tiere wäre es dann überflüssig. Die Flächen würden zur Produktion des benötigten Hochleistungsfutters in intensiv bewirtschaftete und reichlich gedüngte Grasäcker umgewandelt werden – ökologische Wüsten.
Ohne eine Landwirtschaft, die ihre Verantwortung gegenüber Natur und Umwelt erfüllt, lässt sich ökologische Vielfalt in Brandenburg kaum erhalten. Der NABU sieht die Landwirte deshalb als Partner an, mit denen er einen konstruktiven Dialog in der Sache führen will.


Friedhelm Schmitz-Jersch
Landesvorsitzender NABU Brandenburg

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